Patientenbildung

Jeden Tag ein Ja

Die Rheumaliga Bern führt in Zusammenarbeit mit Fachpersonen jährlich eine Patientenbildung zum Thema „Fit für’s Leben – Lebensqualität mit Rheuma“ durch. An vier Abenden erhalten Betroffene die Möglichkeit, sich aktiv mit den alltäglichen Herausforderungen, die eine rheumatische Erkrankung mit sich bringt, auseinanderzusetzen. Eine Gruppe von zehn Teilnehmenden tauschte sich diesen Frühling zu „Krankheitsbewältigung und Alltagsmanagement“, „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“, „Leichter leben mit Humor“ sowie „Betroffene für Betroffene, Selfempowerment“ aus. Im letzten Modul waren die Referentinnen Michelle Zimmermann und Daniela Harbolla zu Gast. Die 39-jährige Michelle Zimmermann leidet an der seltenen Hautkrankheit EBD und hat ein Buch zum Thema Schmerzbewältigung geschrieben. „Es handelt sich dabei nicht um einen Rat-, sondern einen Ideengeber“, verrät sie. Sie spricht darin von ihren Erfahrungen im Umgang mit Schmerz, von Strategien, die sie seit ihrer Kindheit entwickelt und durch tägliche Anwendung perfektioniert hat. Ihr helfe es beispielsweise, mentale Traumwelten zu bereisen.

Wenn man jeden Tag Schmerzen hat, sei es umso wichtiger, Träume zu bewahren: „Ohne Visionen würde ich morgens gar nicht aufstehen.“ Die junge, aufgestellte Frau hat schon vieles in ihrem Leben realisiert. Sie hat die Organisation Miss & Mister Handicap gegründet, in einem Theaterstück und einem Film über ihr Leben mitgewirkt und eben kürzlich ein Buch auf den Markt gebracht. „Ich bin der Meinung, dass jeder eine Leidenschaft haben muss. Denn Leidenschaft schafft Leiden ab“, so Zimmermann. Ihr grosses Hobby ist das Reiten. Obwohl das für sie Gefahren birgt und alles andere als ideal ist, geben ihr diese Erlebnisse Kraft.

Auf die Frage, ob sie sich an die Schmerzen gewöhnt habe, verneint sie: „Ich glaube aber, dass wenn man den Schmerz kennt, man besser damit umgehen kann.“ Einige in der Runde nicken zustimmend, sie sprechen die gleiche Sprache. Die zweite Referentin des Abends, Daniela Harbolla, schildert ihren langen Leidensweg bis zur offiziellen Diagnose, die sich später erst noch als falsch herausstellte. „Den richtigen Arzt zu finden, der einem wahrnimmt und wirklich helfen kann, ist schwierig“, weiss die Rheumabetroffene aus Erfahrung. Dass sie damit nicht die einzige ist, zeigt die Zustimmung aus der Gruppe. Ihr habe es geholfen, Distanz zur eigenen Situation zu schaffen und den Humor nicht zu verlieren. „Humor ist sehr wichtig“, stimmt ihr Michelle Zimmermann zu. Auch die Teilnehmenden wissen bereits aus einem anderen Modul, dass Humor und Lachen wirksame und kostengünstige Gegenmittel sind.

Der Abend ist wie im Flug vergangen, die meisten wären gern noch länger sitzen geblieben. Bilateral werden Handynummern ausgetauscht und Treffen vereinbart. Moderatorin und Sozialarbeiterin Christine Morger von der Rheumaliga Bern wünschte den Teilnehmenden „viel Kreativität im Umgang mit Schmerzen“.

Die nächste Patientenbildung zum Thema "Fit für's Leben" startet im Frühling 2020.