Grosses Interesse an der Nationalen Schmerztagung 2016

Easy Moving an der nationalen Schmerztagung 2016

Schmerzen kennt jeder. Aber wissen wir auch, wie komplex Schmerzen tatsächlich sind? Wie viele Einflussfaktoren das Schmerzempfinden bestimmen? Und wie wir den Teufelskreis chronischer Schmerzen durchbrechen können?

Teamwork von fünf Rheumaligen und zwei Patientenorganisationen

Die nationale Schmerztagung wurde von den Rheumaligen Aargau, beider Basel, Bern, Solothurn und Zürich sowie den Patientenorganisationen Schweizerische Polyarthritiker-Vereinigung und der Schweizerischen Lupus Erythematodes Vereinigung organisiert. Die Veranstaltung fand am 28. Mai 2016 im Kantonsspital Olten statt.

Das biopychosoziale Schmerzmodell

Die Themenwahl der Schmerztagung fokussierte auf das biopsychosoziale Schmerzmodell, das im Referat von Dr. med. Patrick Willimann, FMH Anästhesiologie und FMH Interventionelle Schmerztherapie, vorgestellt wurde. Er führte aufschlussreich aus, wie wichtig und bedeutsam die sozialen, die psychischen und die biografischen Einflüsse für das Verständnis des Schmerzes der Betroffenen sind. Diese Einflüsse müssen in einer umfassenden Schmerztherapie berücksichtigt werden, weil Medikamente allein die komplexen Schmerzempfindungen nicht lösen können. 

Gleichzeitig spielen die Diagnose der physischen Schmerzen und die körperliche Untersuchung eine wesentliche Rolle in der Schmerztherapie, die oft zu wenig beachtet wird. Patrick Willimann betonte, dass jeder Schmerz neben den sozialen und psychischen auch körperliche Ursachen habe. Man könne Schmerzen nicht einfach mit dem Hinweis auf das «Schmerz-Gedächnis» abtun.

Sein realistischer Leitsatz lautet demnach: Wenn sich die körperlichen Ursachen des Schmerzes nicht ausreichend unter Kontrolle bringen lassen, müssen die sozialen und die psychischen Bereiche einbezogen werden, um die Schmerzen zu lindern und den Patienten zu trösten.

Schmerzen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Dr. med. Li Tian, Leiterin TIAN INSTITUT für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Bern und Villars-sur-Glâne FR, erklärte in ihrem Referat den Zugang der Chinesischen Medizin zum Schmerz. Sie zeigte, welche Bedeutung dem Schmerz und der Müdigkeit in der Chinesischen Medizin beigemessen wird, welche Ursachen diesen zugrunde liegen und wie sie sich am besten behandeln lassen.

Im Vordergrund stehen die pathogenen und inneren Faktoren, die als Ursache von Schmerzen gelten. Die TCM unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Typen von Schmerzen: Typ Fülle und Typ Leere.

  • Bei der Fülle ist der Durchgang von Qi und Blut blockiert. Diese Schmerzen werden stark durch pathogene Faktoren wie Wind, Nässe, Kälte oder Hitze beeinflusst.
  • Bei der Leere besteht eine Qi-Schwäche (es fehlt an Lebensenergie bzw. Nahrung) oder ein Qi- und Blut-Mangel. Die Ursachen dieser Schmerzen werden hauptsächlich auf innere Faktoren wie falsche Ernährung, Überarbeitung, Bewegungsmangel, lang andauernde Krankheiten oder psychischen Stress, Sorgen, Lebenskummer usw. zurückgeführt.

In der Praxis können bei komplexen Krankheitsbildern wie der Rheumatoiden Arthritis beide Schmerztypen eine Rolle spielen. Zur Behandlung der Schmerzen legt die TCM grossen Wert auf eine gezielte Ernährung. Weitere Methoden sind die Akupunktur, Tuina-Anmo-Massagen, Moxa, TCM-Arzneimitteltherapien sowie sanfte Bewegungen wie im Qi Gong.

Bewegung für Schmerzpatienten

Beide Referenten betonten, wie wichtig Bewegung für Schmerzpatienten sei. Entscheidend ist dabei immer das Mass. Es gilt, zwischen zu viel und zu wenig einen Mittelweg zu finden. Im Angebot des Tagungs-Programms standen entsprechend mehrere sanfte Bewegungssequenzen, wie Easy Moving, Qi Gong usw., um bei den Teilnehmern das Interesse zu wecken und aufzuzeigen, dass trotz Schmerzen sanfte Bewegungen möglich sind und diese nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele wohltun.

Bericht: Beatrix Mandl

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