Hsin Tao: Selbsthilfe bei Rheuma

Hsin Tao Kurs

Hsin Tao lässt Rheumabetroffene aufhorchen. Verschiedene Presseartikel (zuletzt in der «Schweizer Illustrierten») berichten über verblüffende Wirkungen dieser meditativen Bewegungstechnik zur Selbstbehandlung diverser Beschwerden und Erkrankungen.

Sanfte Bewegungsformen aus dem alten China sind beliebt bei Menschen mit Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Kurse der Rheumaliga in den Disziplinen Tai Chi und Qi Gong erfreuen sich zunehmender Teilnehmerzahlen. Das gemeinsame Üben macht die Gelenke geschmeidig und bringt die Lust an der Bewegung zurück.

Gewisse Ähnlichkeiten rücken Hsin Tao in die Nähe von Qi Gong. Jedoch ist Hsin Tao viel einfacher zu erlernen und wesentlich weniger ausgeklügelt als Qi Gong, wo es für fast jedes Krankheitsbild eine besondere Übung mit spezifischen Wirkungen gibt. Hsin Tao konzentriert sich auf ein kleines Repertoire. Viele Anwender begnügen sich mit drei Grundübungen – und berichten doch von erstaunlichen gesundheitlichen Erfolgen.

Wie gerechtfertigt sind die Erwartungen, die Hsin Tao weckt? Was dürfen sich insbesondere Menschen mit Rheuma von den regenerierenden Wirkungen dieser Bewegungsform erhoffen?

Was ist Hsin Tao?

Hsin Tao (sprich: Schin Tao) ist eine Technik zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Als ihr Schöpfer oder Entdecker gilt der indisch-tamilische Mönch Bodhidharma, der den Buddhismus im 5. Jahrhundert nach China gebracht haben soll. Die Legende führt auch die Shaolin-Kampfkünste auf ihn zurück, die äusseren Stile (Shaolin Kung Fu) genauso wie die inneren Stile (Qi Gong, Tai Chi Chuan).

Hsin Tao lehrt einfache, vorwiegend kreisförmige und wellenartige Bewegungen. Sie werden teils im Sitzen, teils im Stehen ausgeführt und im gemächlichen Takt einer tiefen Bauchatmung eine Weile wiederholt oder so lange, bis man das Gefühl hat, es sei genug. Selbst Anfänger können mit Hsin Tao eine Flow-Erfahrung machen, sich von einer Woge aus Energie getragen fühlen.

Üben in der Komfortzone

Hsin Tao Lehrer

Die hauptsächliche Herausforderung von Hsin Tao liegt darin, sich den Bewegungen des eigenen Körpers hinzugeben und sie geschehen zu lassen. Anstrengung ist zu unterlassen. Als Grundregel gilt, stets in seiner persönlichen Komfortzone zu bleiben, nur mit 40% seines maximalen Atemvolumens zu üben und sich von der Schmerzgrenze fernzuhalten.

Menschen mit Rheuma-Schmerzen und Bewegungseinschränkungen dürfen und sollen minimalistisch üben, will sagen, sich auf die schmerzfreie Zone zwischen der Ruhe-Position und der Schmerzgrenze beschränken, mag der Bewegungsradius anfangs noch so gering sein.

Eine weitere Erleichterung von Hsin Tao liegt in seiner grossen Fehlertoleranz. Niemand braucht ein perfektes Vorbild nachzuahmen. Es genügt, die Grundprinzipien verinnerlicht zu haben und mit einem Gefühl ständigen Loslassens zu üben, mehr im Beobachtungsmodus als in einer Haltung aktiven Tuns. Hsin Tao soll seine regenerativen Wirkungen selbst dann entfalten, wenn die Übungen nur halbwegs korrekt ausgeführt werden.

Regeneration durch sanfte Wiederholung

Als unmittelbare Wirkungen von Hsin Tao gelten Wärme im Unterleib und im ganzen Körper sowie eine Anregung der Drüsenfunktionen, die sich in Hautbefeuchtung, Schweissbildung, Speichelfluss, tränenden Augen oder einer laufenden Nase bemerkbar machen kann.

Weiter sollen die sanften Wiederholungen auf das Nervensystem, die Organe und den ganzen Bewegungsapparat einwirken, namentlich auf die skelettnahe Tiefenmuskulatur, auf Gelenke, Sehnen und Bänder. Regelmässiges Üben soll das Binde- und das Knorpelgewebe stärken, die Gelenke regenerieren und die Wirbelsäule und die Körperhaltung neu ausrichten können.

Hsin Tao und die Schulmedizin

Daniel Handschin, Portrait

Sanfte Bewegungsformen im Gewande fernöstlicher Esoterik waren für Dr. med. Daniel Handschin lange Zeit ein Unding. Seine Voreingenommenheit als Schulmediziner war so ausgeprägt wie sein privates Desinteresse als leistungsorientierter Leichtathlet. Trotzdem vermochte ihn seine Frau zum Besuch eines Hsin-Tao-Seminars zu motivieren.

Er begann in der Folge zu üben und stellte zu seiner Verblüffung schon bald eine Steigerung seiner mentalen und seiner sportlichen Leistung fest, worauf er sich in die Technik vertiefte und sich zum autorisierten Hsin-Tao-Lehrer ausbilden liess.

Als geübtem Praktiker genügen ihm ein paar freie Minuten, um sich mit Hsin Tao im Berufsalltag zu sammeln und zu stärken. Unter seinen Patientinnen und Patienten hat schon eine grosse Zahl Hsin Tao in ihr Therapieprogramm aufgenommen.

Rheumaliga Schweiz: Bei welchen Formen von Rheuma empfehlen Sie Hsin Tao?
Daniel Handschin: Meinen Erfahrungen zufolge wirkt Hsin Tao sehr effektiv bei degenerativem Rheuma, bei Arthrosen grosser, mittlerer und kleiner Gelenke sowie bei chronischen Rückenschmerzen. Unter meinen Patienten gibt es Erfolge bei Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalverengungen. Praktisch alle Betroffenen, die regelmässig üben, erfahren eine Schmerzlinderung. Bei vielen kann ich Medikamente niedriger dosieren. Manche werden ganz schmerzfrei.

Hilft Hsin Tao auch bei entzündlichem Rheuma?
Es sind Einzelfälle bekannt von Personen mit einer Polyarthritis oder einem systemischen Lupus, die von bemerkenswerten Erfolgen gegen ihre Beschwerden berichten. Doch ich kenne keine Betroffenen persönlich und kann zu Autoimmunerkrankungen keine allgemeinen Aussagen machen. Wunder nähme mich schon, ob es Sjögren-Betroffene gibt, die sich die drüsenstimulierende Wirkung von Hsin Tao zunutze machen, um der Austrocknung der Schleimhäute entgegenzuwirken. Wichtiger als die krankheitsbildbezogene Optik scheint mir aber die Verbesserung des Allgemeinbefindens. Patienten, die Hsin Tao regelmässig üben, fühlen sich wohler in ihrem Körper, wirken vitaler, geistig klarer und strahlen einen inneren Frieden aus.

Was macht Hsin Tao für Rheumabetroffene besonders geeignet?
Zunächst stellt Hsin Tao keine besonderen Anforderungen, die Hürde ist sehr tief. Man braucht weder sportlich zu sein, noch sich fit zu fühlen. Auch kräftige Muskeln, Gelenkigkeit und Dehnbarkeit sind keine Voraussetzungen. – Zweitens emanzipiert Hsin Tao von Perfektionismus und Leistungsdenken. Fehler sind okay, und man soll es sich bequem machen in den Übungen, es ist «Yoga für Faule». – Drittens stellen sich erste Erfolgserlebnisse sehr schnell ein, das gibt Schmerzpatienten einen Motivationsschub. – Und schliesslich befreit Hsin Tao aus der Opferrolle. Die Betroffenen handeln autonom und finden in sich selber die Kraft, zu ihrer Gesundung beizutragen.

Wie erklären Sie die Wirkung von Hsin Tao?
Aus schulmedizinischer Sicht wirkt die sanfte, repetitive Mobilisierung der Wirbelsäule ganz offensichtlich auf das vegetative Nervensystem – mit einer Hebelwirkung auf den ganzen Stoffwechsel. Schliesslich führen alle Wege zum und vom Gehirn über die Nervenbahnen des Rückenmarkes. Die intensiven Unterleibsbewegungen wirken regulierend auf die Darmtätigkeit und verbessern so das Allgemeinbefinden. Und schliesslich spielt die Atmung eine zentrale Rolle, vielleicht die wichtigste. Bei Hsin Tao übernehmen die Bewegungen des Körpers die Kontrolle über die Atmung und führen zu einer Senkung der Atemfrequenz und einer endogenen Atmung («Sauerstoff-Recycling»). Das hat Auswirkungen auf die Gehirnfunktion; es gibt dazu spannende Erklärungsansätze aus der Neurophysik, aber ich bin an dieser Stelle mit meinem schulmedizinischen Latein am Ende. – Die spirituelle Tradition erklärt Hsin Tao als eine Art innerer Alchemie. Sanfte Wiederholungen öffnen die Kommunikationskanäle zwischen dem Bewusstsein, den feinstofflichen Energiemustern und dem materiellen Körper. Das beschleunigt den Prozess der Erneuerung auf Zellebene ebenso wie in den Tiefen des Geistes.

Quellen

  • The Miracle Of Hsin Tao. A film by Ratziel Bander, 2007 (DVD)
  • Ratziel Bander: Hsin Tao. Der sanfteste Weg zu Gesundheit und langem Leben, 5. Auflage 2010
  • www.hsintao.ch (inkl. Presseartikel und Erfahrungsberichten)

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