Gibt es eine Diät gegen Arthritis? (Teil 1)

Frau  wählt zwischen Obst und Süssigkeiten

Beim Thema Ernährung und Arthritis prallen Gegensätze aufeinander. Ganzheitlich orientierte Mediziner und Therapeuten sehen in einer Ernährungsumstellung eine medikamentenfreie Alternative zur Behandlung chronischer Entzündungen und verfolgen das Ziel, den Arzneimittelbedarf durch eine antientzündliche Diät zu verringern. Auf der anderen Seite verteidigen die Rheumatologen die medikamentöse Therapie und begegnen dem Thema Ernährung nach wie vor mit grosser Zurückhaltung, Ablehnung oder Desinteresse. Manche warnen, dass einen Nährstoffmangel riskiere, wer von einer ausgewogenen Mischkost abweiche.

Die Gegensätze verunsichern viele Rheumabetroffene. Hilft mir eine Ernährungsumstellung gegen entzündliches Rheuma? Welchen Diätanweisungen kann ich vertrauen? Und: Wie sag' ich's meinem Rheumatologen? Wird er eine Ernährungsumstellung befürworten und als Teil meiner Arthritis-Therapie betrachten – oder darin nur eine Begleitmassnahme sehen, schön und sinnvoll, aber ohne therapeutischen Bedeutung?

Wenn es um die eigene Gesundheit geht, verfolgen die meisten den pragmatischen Weg, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Sie nehmen die Notfallmedizin, die moderne Chirurgie und die potenten Produkte der Pharmaindustrie in Anspruch – und nutzen gleichzeitig die Diagnose- und Behandlungsangebote der funktionalen Medizin, der energetischen Medizin (Kinesiologie, Homöopathie), der spirituellen Medizin oder traditioneller Heilsysteme.

Wer eine Orientierungshilfe geben will, darf keine Scheuklappen tragen. Die Rheumaliga Schweiz möchte die Frage nach einer möglichen Ernährung gegen entzündliches Rheuma in der ganzen Breite des real existierenden medizinischen Pluralismus angehen und Betroffenen mit schulmedizinischer bis komplementärmedizinischer Ausrichtung einen Zugang zum Thema schaffen.

1. Das Nein der streng wissenschaftlich argumentierenden Medizin

Die an naturwissenschaftlichen Konzepten und Beweisführungen orientierte Rheumatologie verneint die Möglichkeit, über die Ernährung auf entzündliches Rheuma einzuwirken. Zwar möge eine ausgewogene und gesunde Ernährung zum Wohlbefinden der Rheumabetroffenen beitragen. Aber stichhaltige Belege für eine therapeutische Wirkung der Ernährung würden schlicht und einfach fehlen.

Lesen Sie mehr über die Nein-Position.

2. Das Jein der ernährungssensiblen Rheumatologie

Studien zeigen, dass gewisse Lebensmittel die Aktivität von Entzündungen beeinflussen. Weite Teile der Rheumatologie beantworten die Frage nach einer Anti-Arthritis-Diät deshalb mit einem Ja-und-Nein. Sie formulieren Empfehlungen zur Ernährung bei entzündlichem Rheuma, aber formen daraus keine Therapie gegen entzündliches Rheuma.

Lesen Sie mehr über die Jein-Position.

3. Ja-Positionen abseits des medizinischen Mainstreams

Seit Jahrzehnten bestätigen Studien, dass kurze Fastenperioden (bis 9 Tage) verblüffende, aber nur zeitweilige Besserungen von RA-Beschwerden erzielen. Die moderne Antwort darauf sind mittel- bis langfristige Eliminationsdiäten mit dem Ziel, Autoimmunerkrankungen über eine Gesundung der Darmschleimhaut und der Darmflora zu kurieren. Dieses Ja zu einer Ernährungstherapie gegen entzündliches Rheuma ist allerdings nach heute geltenden Standards wissenschaftlicher Prüfung kaum zu belegen.

Lesen Sie mehr über die Ja-Positionen.

Gemüse, frisch, arrangiert

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Die meisten Studien zu Ernährung und Rheuma beziehen sich auf RA-Patienten. Doch die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich von der rheumatoiden Arthritis auf andere Formen entzündlichen Rheumas wie die Psoriasis-Arthritis oder Morbus Bechterew übertragen. Die Gicht hingegen zählt nicht zu entzündlichem Rheuma. Sie finden Ernährungsempfehlungen für Gichtbetroffene unter Rheuma von A bis Z.

Empfehlungen der Rheumaliga Schweiz

  • Eine ausgewogene Ernährung gehört wie die Bewegung und die Entspannung zu den Grundpfeilern einer gesunden Lebensweise.
  • Wenn Sie eine Ernährungsumstellung beabsichtigen, informieren Sie sich umsichtig und misstrauen Sie übertriebenen Heilversprechen.
  • Reden Sie mit Ihrem Hausarzt oder Rheumatologen über eine geplante Ernährungsumstellung. Sie kann nach heutigem Wissen eine medikamentöse Therapie ergänzen, aber nicht ersetzen.

Stichworte