Impfstoffe gegen COVID-19

Impfstoff _COVID-19

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um die Impfung gegen COVID-19/SARS CoV-2. Es werden fast täglich neue Studienergebnisse veröffentlicht. Unsere FAQs werden dementsprechend laufend aktualisiert. Die Antworten wurden geprüft von der Clinical-Affairs-Kommission der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie (SGR), Prof. Dr. med. Axel Finckh und Prof. Dr. med. Diego Kyburz.

Das BAG hat für Fragen zur Impfung Telefon-Hotlines eingerichtet (täglich von 8 bis 18 Uhr):

  • Für Gesundheitsfachpersonen: 058 462 21 00
  • Für die Bevölkerung: 058 463 00 00

Fragen von Rheumabetroffenen unter Immunsuppression

Es existieren weltweit über 100 Impfstoffprojekte zur Eindämmung der SARS-CoV-2 Pandemie. Diese Impfprojekte umfassen Lebendimpfstoffe mit Vektorviren, Totimpfstoffe und neuartige genbasierte Impfstoffe (mRNA). Von den über 100 Impfstoffen befinden sich mehrere zurzeit im Zulassungsverfahren. Swissmedic hat die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna (beide gehören zu den RNA-Impfstoffen) bereits zugelassen.

Aktuelle Informationen zur Zulassung der Impfstoffe in der Schweiz finden Sie unter folgendem Link: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/impfen.html

Es wurden bisher keine wissenschaftlichen Daten aus den Impfstudien veröffentlicht, aus denen hervorgeht, ob Patienten und Patientinnen mit Immunerkrankungen oder mit laufender immunsuppressiver Therapie in der Studienpopulation enthalten waren. Es ist davon auszugehen, dass solche Patienten und Patientinnen von der Teilnahme an den Studien ausgeschlossen waren.

Da es sich bei den aktuell diskutierten RNA-Impfstoffen nicht um Lebendimpfstoffe handelt, ist eine solche Impfung generell auch bei Rheumapatienten und -patientinnen unter laufender Immunsuppression denkbar. Da es aber keine Daten gibt, die explizit der Frage nachgegangen sind, wie die Impfung unter Immunsuppression in Bezug auf Sicherheit und Effektivität tatsächlich einzuschätzen ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt keine klare oder eindeutige Empfehlung zur Impfung von Rheumabetroffenen mit Immunsuppression ausgesprochen werden. Aus hypothetischen Überlegungen bestehen jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine wesentlichen Bedenken gegen die Impfstoffe. Ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung ist nach aktuellen Erkenntnissen bei Rheumapatientinnen und -patienten nicht zu erwarten.

Wahrscheinlich ja. Replikationsdefiziente virale vektorisierte Impfstoffe wurden bei immungeschwächten Personen ohne Sicherheitsbedenken eingesetzt.

Hierzu gibt es noch keine ausreichenden Angaben. Ein allfälliges Pausieren einer immunsuppressiven Therapie muss mit dem behandelnden Rheumatologen oder der behandelnden Rheumatologin besprochen werden.

Studienergebnisse stehen noch aus. Es zeigt sich aber, dass die Impfung auch bei älteren Menschen eine sehr gute Schutzwirkung entfaltet. Da bei älteren Menschen (Immunoseneszenz) die Immunantwort schwächer ausfällt (ähnlich wie bei Immunsuppression), könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass die Impfung auch bei Immunsuppression gut wirkt.

Zu beachten bei Behandlung mit Rituximab (MabThera®) und Prednison: Eine Impfung innerhalb von vier Monaten nach Verabreichung von Rituximab oder während einer Behandlung mit Prednison > 20 mg/T ruft wahrscheinlich keine signifikante Impfantwort hervor. In dieser besonderen Situation empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie, wenn möglich, mit der COVID-19-Impfung zu warten. Bei einer Behandlung mit Rituximab wird empfohlen, diese erst zwei bis vier Wochen nach der zweiten COVID-19-Impfung zu beginnen.

Das BAG hat am 17. Dezember 2020 eine Impfstrategie bekannt gegeben. Sie sieht die Covid-19-Impfung insbesondere für die folgenden Zielgruppen von Erwachsenen vor in absteigender Reihenfolge bei begrenzter Impfstoffverfügbarkeit):

  1. Besonders gefährdete Personen (ausser Schwangere)
  2. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt und Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
  3. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
  4. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (z. B. Behindertenheime) und deren Personal
  5. Alle anderen Erwachsenen, die sich impfen lassen möchten.

Weitere Informationen: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/das-bag/aktuell/medienmitteilungen.msg-id-81667.html

Zur ersten Gruppe gehören Menschen über 75 Jahre und solche mit chronischen Krankheiten mit höchstem Risiko. Bei den rheumatischen Erkrankungen, werden entzündliche Formen wie Rheumatoide Arthritis und Lupus erythematodes mit immunsuppressiver Therapie (Prednison-Äquivalente >20mg/pro Tag, steroidsparende Therapien wie z.B. Methotrexat und Biologika) zu dieser Gruppe gezählt (vgl. Hinweis bei Frage 6). Ob eine Impfung erfolgen soll, muss jedoch unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Facharzt oder die Fachärztin getätigt werden. Sollten Sie zu dieser Gruppe gehören, empfehlen wir Ihnen, Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin aufzunehmen.

Wann und wo Sie sich impfen lassen können, erfahren Sie wegen regionaler Unterschiede von den Gesundheitsbehörden in Ihrem Kanton: https://bag-coronavirus.ch/impfung/wann-kann-ich-impfen/#cantons.

Nein. Rheumabetroffene mit Immunsuppressiva, welche arbeitnehmend sind und beide Impfdosen der COVID-19-Impfung erhalten haben, gehören 14 Tage nach der zweiten Impfdosis nicht mehr zur Gruppe besonders gefährdeter Personen. Für die Arbeitnehmenden gelten dann die allgemeinen Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz. (Stand: 27.04.2021)

Weitere Informationen zum Schutz am Arbeitsplatz finden Sie unter: Besonders gefährdete Personen (admin.ch)

Gemäss der Impfempfehlung für mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) (Stand 21.07.21) bilden geimpfte Personen unter Behandlungen mit leichter Immunsuppression nach vollständiger Impfung in der Regel schützende Antikörper.

Personen, welche zum Zeitpunkt der COVID-19 Impfung unter einer der folgenden immunsupprimierenden Behandlungen standen:

  • B Zell Depletion (z.B. Rituximab, Ocrelizumab, Cyclophosphamid)
  • Mehr als 20mg Prednison pro Tag sowie länger als 2 Wochen
  • Weitere Therapien, die zu einem reduzierten Ansprechen auf den Impfstoff führen (z.B. Mycophenolat, Ciclosporin, Abatacept, Januskinase-Inhibitoren u.ä.)
  • Kombinationstherapie verschiedener immunsupprimierender Medikamente

wird vier Wochen nach der zweiten mRNA-Impfdosis eine Bestimmung der Impfantikörper empfohlen. Je nach Resultat wird das weitere Vorgehen wie folgt festgelegt:

a) Sind klar positive, das heisst im Bereich immunkompetenter gesunder Menschen vergleichbare Impfantikörper vorhanden, ist keine dritte Impfdosis nötig. Grenzwertig positive Impfantikörpertiter sind als negativ zu betrachten, Vorgehen siehe b).

b) Sind keine oder ungenügend Antikörper gegen das Coronavirus vorhanden, wird die Gabe einer dritten Impfdosis desselben Impfstoffs in der Regel zwei Monate (minimal vier Wochen) nach der zweiten Impfung empfohlen, gefolgt von einer erneuten Impfantikörperbestimmung vier Wochen nach der dritten Dosis. Bei Personen unter B Zell-Depletion (Rituximab etc.) sollte die dritte mRNA-Impfdosis idealerweise frühestens vier Monate nach der letzten Dosis des Medikamentes und mindestens vier Wochen vor der nächsten Einnahme des Medikamentes erfolgen, um eine möglichst gute Immunantwort zu ermöglichen. Bei manchen der anderen Medikamente kann der Arzt oder die Ärztin auch vorschlagen, diese eine gewisse Zeit nach der Impfung zu unterbrechen, um die Chancen auf eine gute Immunantwort zu erhöhen.

Die Empfehlung zur Bestimmung der Impfantikörper sowie die Option einer Vergabe einer dritten Impfdosis bestehen nur bei dieser speziellen Gruppe abwehrgeschwächter Patientinnen und Patienten. Bei der gesunden Bevölkerung wird generell eine Antikörper-Bestimmung vor oder nach der Impfung ausdrücklich nicht empfohlen.

Die Kostenübernahme für Analysen auf SARS-CoV-2-Antikörper bei Personen mit schwerer Immundefizienz ist zurzeit in Abklärung.

Insbesondere Personen, welche nach drei Dosen keine Impfantikörper gebildet haben, sollten sich trotz den Impfungen noch konsequenter als andere immungeschwächte geimpfte Personen an die weiteren Schutzmassnahmen (Abstand, Masken und Händehygiene) halten, auch wenn diese Schutzmassnahmen für die allgemeine Bevölkerung künftig gelockert werden.

Den idealen Zeitpunkt der Gabe der dritten Dosis sollte mit der betreuenden Rheumatologin oder dem betreuenden Rheumatologen besprochen werden. Generell sollte die Immunsuppression zum Zeitpunkt der Impfung so gering wie möglich sein, wenn es die Behandlung der Erkrankung erlaubt.

Hintergrundinformationen zu den neuen Impfstoffen

Für eine herkömmliche Schutzimpfung werden einem Organismus abgeschwächte, nur noch begrenzt vermehrungsfähige Erreger (Lebendimpfung, z.B. gegen Pneumokokken) oder inaktivierte Erreger oder Bestandteile davon zugeführt. Das Immunsystem reagiert auf diese Fremdkörper, indem es schützende Antikörper bildet und die Immunantwort in seinen «Gedächtniszellen» speichert. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Erreger kann das Immunsystem schneller und effektiver reagieren, so dass der Ausbruch der Krankheit oder zumindest schwere Verläufe verhindert werden: Der Körper wird immun. Wie lange und in welchem Grad diese Immunität anhält, ist von vielen Faktoren abhängig.

DNA- und RNA-Impfstoffe enthalten genetische Informationen des Erregers. Die genetische Information im Impfstoff wird von den Körperzellen abgelesen und es werden die entsprechenden Virusproteine von den Zellen produziert. Wie bei einer echten Virusinfektion wird eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegen diese Virusproteine ausgelöst. Wie nach einer herkömmlichen Impfung kann das Immunsystem dann schneller auf die echten Viren reagieren.

Vektorimpfstoffe bestehen aus für den Menschen harmlosen Erregern, den Vektoren, die ein oder mehrere Moleküle (Antigene) des Krankheitserregers tragen. Es wird z.B. ein Molekül aus der Virushülle des Vektors gegen ein Molekül aus der Hülle des Krankheitserregers ausgetauscht. Bei diesen Veränderungen des Vektors wird darauf geachtet, dass seine Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt erhalten bleibt. Die Vektoren dienen dazu, das Antigen des Krankheitserregers dem Immunsystem zu präsentieren, um damit eine gute Immunantwort auszulösen. Ein Beispiel für einen Vektorimpfstoff ist der Impfstoff gegen Ebola.

Mit der DNA- und RNA-Methode ist es einfacher, Impfstoffkandidaten schnell zu konstruieren. RNA- und DNA- Impfstoffe können in kürzeren Zeiträumen in grosser Menge hergestellt werden. Zudem ist die Herstellung unter geringeren Sicherheitsbedingungen erlaubt.

Da keine Erreger oder deren Bestandteile für die Produktion gebraucht werden, sondern die Stoffe direkt im Labor synthetisiert werden, ist die Gefahr einer Kontamination deutlich geringer.

Bei DNA-Impfstoffen besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die in die Zelle gebrachte DNA in das eigentliche Erbgut der Wirtszelle eingebracht wird. Als mögliche Folgen werden eine verstärkte Tumorbildung oder Autoimmunkrankheiten befürchtet. Umfangreiche Studien im Tierversuch haben keinen Hinweis darauf ergeben.

Im Gegensatz zu DNA-Impfstoffen werden RNA-Impfstoffe nicht in den Zellkern transportiert. Daher besteht auch nicht die theoretische Gefahr einer Integration in das Erbgut von Körperzellen. Theoretisch wäre es möglich, dass andere bereits im Körper vorhandene Viren die Impf-RNA in DNA «umschreiben», so dass diese sich doch in das Erbgut einer Zelle integrieren und dort Folgeschäden auslösen könnte. Eine solche Umschreibung wurde jedoch nicht beobachtet. Alle diese theoretisch möglichen, aber praktisch nicht beobachteten Effekte beziehen sich auf einige wenige Zellen im Körper, nicht auf das Erbgut des Geimpften. Zudem vermehrt sich die Anzahl der DNA- bzw. RNA-enthaltenden Körperzellen nicht. Die Behauptung, dass DNA- oder RNA-Impfungen das Erbgut eines Menschen, also seine Keimbahn verändern, ist daher falsch.

Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2021

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