Resilienz: ein Trend mit Tiefgang

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Was ist Resilienz?

Der Begriff wurde in den 1950er Jahren in die Psychologie eingeführt und meint so viel wie innere Stärke, seelische Widerstandsfähigkeit. Widerstandsfähige Menschen kommen mit Krisen, Niederlagen, Schicksalsschlägen sehr viel besser zurande als solche mit geringer Resilienz. Eine hohe Resilienz senkt das Risiko, an den Folgen schwerer Lebensereignisse psychisch zu erkranken. Sie vermag eine Depression abzuschwächen oder davor zu bewahren.

Wie ist die Resilienz einzuordnen?

Resilienz ist mit der Salutogenese verwandt, dem therapeutischen Ansatz, sich nicht darauf zu konzentrieren, was einen Menschen krank macht, sondern darauf, was ihn gesund erhält, trotz widrigen Umständen. Das begriffliche Gegenteil von Resilienz nennt man Vulnerabilität (seelische Verletzlichkeit). Als das körperliche Gegenstück zur Resilienz gilt die Hormesis: die Anpassungsfähigkeit von Zellen und Organismen an schädliche Reize in geringer Dosis.

Gibt es ein Resilienz-Gen?

Forscher/innen wollen mehrere Resilienz-Gene gefunden haben, und gemäss Zwillingsstudien könnte die Resilienz zu 30% bis 50% «in den Genen liegen». Grösseren Einfluss scheinen aber die Lebensumstände zu haben. Eben deswegen lässt sich die Resilienz auch aufbauen, trainieren und entwickeln.

Was sind die sieben Säulen der Resilienz?

Um das Thema besser vermitteln zu können, stuft oder gliedert man die Resilienz gerne siebenfach. Zur Siebenzahl beigetragen haben einflussreiche Veröffentlichungen, die die «sieben Schlüssel» der Resilienz oder deren «sieben Säulen» im Titel tragen.

Das Sieben-Säulen-Modell mag von Autor(in) zu Autor(in) variieren, aber alle decken mehr oder minder dasselbe Spektrum ab. Ein sehr eingängiges und quasi selbsterklärendes Sieben-Säulen-Modell verdanken wir dem Coach und Psychologen Heinz Bolliger-Salzmann (in einem öffentlichen Vortrag der Rheumaliga Bern und Oberwallis):

  1. optimistisch sein
  2. Situationen akzeptieren
  3. zu Lösungen streben
  4. die Opferrolle verlassen
  5. Verantwortung ergreifen
  6. Kontakte entwickeln
  7. die Zukunft planen

Wie stärke ich meine Resilienz?

Es gibt keine Patentrezepte, die Resilienz zu stärken, aber eine Fülle von Übungen, die man sich in Einzel-Coachings, Gruppen-Workshops oder aus der boomenden Resilienz-Literatur selber aneignen kann. Zum Reinschnuppern in die Welt der Resilienz dienen auch viele Videos auf YouTube (Suche nach: «Resilienz stärken»).

Viele Übungen zur Stärkung der Resilienz decken sich mit Verfahren der Mind-Body-Medizin wie Achtsamkeitsübungen, Atemübungen, Entspannungsverfahren, Faszienmassage, Yoga, Qi Gong, Tanz-Therapie, Musik-Therapie, Klangschalen-Therapie, Mantra-Singen, Sacred-Crystal-Sound, geführte oder selbständige Meditation usw. Zur Stärkung der Resilienz lassen sich demnach unterschiedliche Quellen anzapfen und sollen alle Gesundheitsdimensionen ins Spiel kommen: die biologische, die psychologische, die soziale und die spirituelle Dimension.

Ganz wichtig: Resiliente Menschen sind keine Superhelden, die ihre Probleme im Alleingang lösen. Sondern sie haben die Stärke, sich anderen Menschen anzuvertrauen, und nehmen Hilfe in Anspruch, auch professionelle, wie sie eine psychologische Therapie bieten kann.

Resilienz und chronische Krankheiten

Wer psychisch widerstandsfähig ist, ist es auch gegen die psychischen Begleiterscheinungen einer körperlichen Erkrankung. Diesem offenkundigen Zusammenhang sind zwei Forscherinnen am Uni-Klinikum Jena im Jahr 2018 wissenschaftlich nachgegangen. Francesca Färber und Jenny Rosendahl haben für ihre Metastudie über fünfzig Einzelstudien ausgewertet, die auf den Angaben von 15 000 Patienten/-innen mit diversen körperlichen Krankheiten und Einschränkungen beruhen (nicht nur Rheuma).

Das Ergebnis: «Je stärker die Resilienz bei körperlichen Erkrankungen ausgeprägt ist, desto weniger psychische Belastungssymptome zeigen die Betroffenen.» Um einen kausalen Zusammenhang aufzuzeigen, bedürfe es allerdings weiterer, prospektiver Studien.

Die Rheumaliga Schweiz bietet kein Resilienz-Training an, aber viele unserer Kurse vermitteln Übungen und Inhalte der Mind-Body-Medizin. Suchen Sie unter Qi Gong, Pilates, Yoga, Easy Dance, Singen usw.!

Kurse finden

Quellen

Bolliger-Salzmann, Heinz: Krankheitsbewältigung, Salutogenese und Widerstandskraft bei Krankheit und Belastung. Zusammenhänge und pragmatische Umsetzung. Öffentlicher Vortrag, gehalten am 14.06.2018 in Bern.

Färber F, Rosendahl J: Zusammenhang von Resilienz und psychischer Gesundheit bei körperlichen Erkrankungen. Systematisches Review und Metaanalyse. Dtsch Arztebl Int 2018; 115 (38): 621–7; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0621

Helsana: Praktische Tipps für mehr Resilienz. Abrufbar unter diesem Link. Letztmals eingesehen am 18.06.2020.

Migros-Implus: Resilienz kann man lernen. Abrufbar unter diesem Link. Letztmals eingesehen am 18.06.2020.

Selpers: Psychologische Aspekte der rheumatoiden Arthritis. Abrufbar unter diesem Link. Letztmals eingesehen am 18.06.2020.

Wikipedia: Resilienz (Psychologie). Abrufbar unter diesem Link. Letztmals eingesehen am 18.06.2020.

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