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Fibromyalgie-Syndrom (FMS)

Wörtlich bedeutet Fibro-my-algie so viel wie Bindegewebe-Muskel-Schmerz.

Zu den starken Schmerzen im Bewegungsapparat (in Muskeln, Faszien, Sehnen, Bändern, Gelenken) gesellen sich zusätzliche Beschwerden wie Schlafstörungen, chronische Erschöpfung, Konzentrationsstörungen sowie eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit.

Weitere häufige Symtome sind Störungen der emotionalen Stabilität (Lustlosigkeit, depressive Stimmungslage, Angstgefühle), Verdauungsbeschwerden, Schwindel, Herzklopfen, Atemnot, Druck auf der Brust sowie Ameisenlaufen, Taubheits- oder Schwellungsgefühl in Händen und Füssen.

Die jeweiligen Symptome bilden einen Komplex, für den die Schulmedizin mit den gängigen Methoden keine zugrundeliegenden Veränderungen struktureller, entzündlicher oder laborchemischer Natur nachzuweisen vermag.

Klassifikation

Die Fibromyalgie bzw. das Fibromyalgie-Syndrom (kurz: FMS) hat bis vor kurzem noch als eine Sonderform von Weichteilrheuma gegolten. Unter dem Einfluss der Internationalen Vereinigung zum Studium des Schmerzes (IASP) hat die WHO aber eine neue Kategorie für chronische primäre Schmerzsyndrome geschaffen und das Fibromyalgie-Syndrom in diese Kategorie umgeteilt. Die Fibromyalgie zählt nicht mehr zu den rheumatischen Krankheiten.

In den westlichen Industriestaaten leiden 1% bis 5% der Menschen an einer Fibromyalgie. Die Beschwerden beginnen in der Regel im frühen und mittleren Erwachsenenalter. Frauen sind viel häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Fibromyalgie sehr selten (Juvenile Fibromyalgie).

Soziale und finanzelle Folgen

Die Fibromyalgie zeigt individuelle und oft launische Verläufe. Obwohl sie eine chronische, meist lebenslange Krankheit ist, verursacht sie keine Organschäden und ist nicht lebensverkürzend. Aber sie reduziert die Lebensqualität sehr.

Die Fibromyalgie hat fast immer soziale, private und berufliche Probleme zur Folge. Leider verhält sich das Sozialversicherungssystem der Schweiz ignorant gegenüber Erkrankungen ohne nachweisbare Veränderungen und bietet FMS-Betroffenen keine oder kaum Unterstützung. Umso wichtiger ist die gegenseitige Vernetzung von Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen mit einem vertieften Verständnis für die Erkrankung und die damit einhergehenden Probleme.

Ursachen

Die Ursachen der Fibromyalgie sind unbekannt. Vermutlich liegt der Erkrankung ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren zugrunde.

Im Zentrum der Ursachenforschung stehen Mechanismen, die Schmerz und Stress verarbeiten. Schmerz und Stress stehen in einer direkten Wechselwirkung und sind eng mit dem autonomen Nervensystem verknüpft, das schmerz- und stressbedingte Veränderungen im Körper bewirkt wie z.B. Übelkeit, Herzklopfen, Schwitzen usw.

Als weitere Ursache werden Stoffwechselstörungen diskutiert, die bei FMS-Betroffenen nachweisbar sind. Aber es ist offen, ob sie Ursache oder Folge der schmerz- und stressbedingten Veränderungen sind.

Schmerz-Sensibilisierung

Viele Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die erhöhte Empfindlichkeit der Nerven im Gewebe (periphere Sensibilisierung) sowie des Zentralnervensystems (zentrale Sensiblisierung in Rückenmark und Gehirn). Als Folge davon können bereits geringe Reize, die im Normalfall keine Auswirkung haben, eine Schmerzempfindung auslösen.

Wie es zur zentralen und peripheren Schmerzsensibilisierung kommt, ist unklar und Gegenstand intensiver Forschung. Als mögliche Faktoren für die periphere Schmerzsensibilisierung werden Durchblutungsstörungen, Sauerstoffmangel, Entzündungen oder oxidativer Stress in Muskeln und Faszien diskutiert.

Überlastung der Stressbewältigung

Als Ursache für die zentrale Schmerzsensibilisierung vermutet man eine Überlastung der Kompensationsmechanismen bei körperlichem und emotionalem Stress. Passend dazu lassen sich FMS-Betroffenen vor Beginn der Erkrankung gehäuft traumatische Erlebnisse und posttraumatische Belastungsstörungen nachweisen.

Chronischer Stress führt im Körper zu Anpassungsvorgängen. Davon betroffen sind unter anderem die endokrinen Organe (Drüsen), die Hormone produzieren und ausschütten, das Nervensystem (sowohl das zentrale wie auch das periphere und insbesondere das autonome Nervensystem) wie ebenso das Immunsystem. Dieses spielt nicht nur bei der Abwehr, sondern auch bei der Aufrechterhaltung der Homöostase von Zellen und Organen eine wichtige Rolle.

Sind die Anpassungsvorgänge und die Kompensationsmechnismen bei chronischem Stress überlastet, kommt es vermutlich zu den FMS-typischen Beschwerden wie der chronischen Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue), Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen und Verdauungsbeschwerden.

Die Sressbelastung selber hat wiederum viele mögliche Ursachen wie Reizüberflutung, Virusinfektionen, Belastungen durch Umweltgifte oder Medikamente. Es gibt auch eine genetische Veranlagung für Stresssymptome.

Störungen des Stoffwechsels

Autorinnen und Autoren im Bereich der Erfahrungsmedizin postulieren Stoffwechselstörungen als mögliche Ursachen der Fibromyalgie, insbesondere Funktionsstörungen der Mitochondrien (verantwortlich für die Energiebereitstellung in einer Zelle) und Mangelzustände von Vitaminen und Spurenelementen. Die Schulmedizin versagt dieser Deutung der Fibromyalgie die Anerkennung.

Symptome

Zu den zentralen Beschwerden gehören diffuse Schmerzen, Schlafstörungen, andauernde Erschöpfung und Konzentrationsstörungen («brain fog»).

1. Chronische Schmerzen

Die Schmerzen sind diffus und betreffen entweder den ganzen Körper oder verschiedene Regionen. Verteilung, Intensität und der Charakter der Schmerzen variieren stark und häufig.

FMS-Betroffene beschreiben die Schmerzen als muskelkaterartig, brennend, stechend oder ziehend. Die Schmerzen sind nahezu immer vorhanden, verstärken sich aber bei Kälte, Stress sowie bei Bewegung und Belastung. Schmerzlindernd wirken dagegen Wärme sowie wohltuende und entspannende Massnahmen.

Die Betroffenen meiden körperliche Aktivitäten, was eine Verschlechterung der körperlichen Fitness, der Beweglichkeit und der Dehnbarkeit der Muskeln zur Folge hat, was wiederum zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit führt. So bildet sich ein gefährlicher Teufelskreis aus Schmerzen, körperlicher Inaktivität und muskulären Veränderungen.

2. Schlafstörungen

90% der FMS-Betroffenen haben Mühe, einzuschlafen und durchzuschlafen, und klagen über einen nicht-erholsamem Schlaf. In Schlafstudien wurden gestörte Schlafmuster mit einem verminderten bis fehlenden Tiefschlaf-Anteil gefunden. Die Schlafstörungen sind durch einen erhöhten Stresslevel erklärbar und haben zahlreiche Veränderungen und Beschwerden zur Folge, wie namentlich eine chronische Erschöpfung und Konzentrationsstörungen.

3. Chronische Erschöpfung (Fatigue)

Viele FMS-Betroffene leiden an einem chronischen Erschöpfungsgefühl, das die Funktionsfähigkeit im privaten und beruflichen Alltag in unterschiedlichem Mass beeinträchtigt. Die körperliche und geistige Belastbarkeit ist meist vermindert und es besteht oft ein erhöhter Erholungsbedarf nach körperlichen und geistigen Aktivitäten und emotional belastenden Situationen.

Eine scharfe Abgrenzung zum chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS/ME) ist unmöglich. FMS und CFS sind wahrscheinlich unterschiedliche Ausprägungen eines Spektrums verschiedener Erkrankungen mit identischer oder ähnlicher Ursache.

4. Vegetative Symptome

Zahlreiche, wenn nicht die meisten Symptome der Fibromyalgie sind vermutlich durch eine Regulationsstörung im autonomen (vegetativen) Nervensystem bedingt. Das autonome Nervensystem steuert alle nicht bewusst regulierten Prozesse im Körper wie z.B. Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung, Verdauung, Ausscheidung, Durchblutung und Muskelspannung. Störungen oder Veränderungen im autonomen Nervensystem können deshalb eine nahezu unbeschränkte Anzahl von verschiedenen diffusen und organspezifischen Beschwerden zur Folge haben.

5. Überempfindlichkeiten und Missempfindungen

Viele FMS-Betroffene sind übermässig empfindlich auf Sinnesreize. Dies äussert sich in einer Licht-, Lärm-, Geruchs- und Berührungsempfindlichkeit, einzeln oder in Kombination. Die Überempfindlichkeit ist ein zusätzlicher Stressfaktor, der sich negativ auf andere Aspekte der Krankheit auswirken kann. Zusätzlich zu den Überempfindlichkeiten leiden viele FMS-Betroffene an Missempfindungen. Das Spektrum reicht von Ameisenlaufen und einem Schwellungsgefühl an Armen und Beinen über Kopfschmerzen bis zu Tinnitus und Schwindel.

6. Kognitive und emotionale Beschwerden

Klar zu denken, bereitet vielen FMS-Betroffenen Mühe. Sie leiden unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Der Gedankenfluss scheint zu stocken und die Erinnerungsfähigkeit ist subjektiv beeinträchtigt. Ältere FMS-Betroffene fürchten oft, an einer Demenz zu leiden. In objektiven Untersuchungen können jedoch keine Einschränkungen der Denk- und Merkfähigkeit nachgewiesen werden.

Bis zu drei von vier FMS-Betroffenen leiden an einer schlummernden oder ausgeprägten Depression. Als weitere psychische Symptome können Aggressionen und Angststörungen vorkommen. Dabei handelt es sich um emotionale Reaktionsmuster auf die schwierige Situation, geprägt von Schmerzen, Begleitbeschwerden, gesellschaftlichem Unverständnis und sozialer Isolation.

Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei der Fibromyalgie nicht um eine psychische Erkrankung handelt. Die Fibromyalgie zieht aber oft psychische Veränderungen nach sich, und vorbestehende psychische Erkrankungen sind ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Fibromyalgie.

Begleiterkrankungen

Die Fibromyalgie zeigt sich gehäuft in Begleitung gewisser psychischer Erkrankungen und gewisser Formen von Rheuma. Diese Erkrankungen scheinen die Entwicklung einer Fibromyalgie zu begünstigen.

Eine genaue Unterscheidung von Grunderkrankung und Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) bereitet bei der Fibromyalgie allerdings grosse Schwierigkeiten. Von den wenigsten Symptomen ist es möglich, sie der Fibromyalgie oder einer anderen Erkrankung zuzuteilen.

Diagnose

Eine Fibromyalgie verändert weder Strukturen, Organe noch Laborwerte. Deswegen gibt es keine FMS-spezifischen Befunde, die sich zur Diagnosestellung nutzen liessen.

Gemäss heute geltenden Diagnosekriterien ist eine Fibromyalgie mit zwei Fragebögen zu erfassen: dem Widespread Pain Index (WPI) und dem Symptome Severity Scale Score (SSSS). WPI ermittelt, wo in 19 definierten Körperregionen in der letzten Woche Schmerzen vorhanden waren. SSSS setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Teil 1 erfasst die Häufigkeit von Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsproblemen in der letzten Woche (nie, selten, häufig, fast immer). Teil 2 enthält eine Liste von 41 Beschwerden und erfasst, welche davon in der letzten Woche vorhanden waren.

WPI und SSSS funktionieren nach einem Punktesystem. Bei einer gewissen Anzahl Punkte darf die Diagnose einer Fibromyalgie gestellt werden. Die Diagnose ist und bleibt aber eine Verdachtsdiagnose.

Ausschlussdiagnostik

Da die Beschwerden einer Fibromyalgie unspezifisch sind, müssen Erkrankungen oder Veränderungen, die gleiche oder ähnliche Symptome hervorrufen, aktiv gesucht und ausgeschlossen werden.

Zu diesem Zweck sind eine detaillierte Befragung (Anamnese), eine gründliche körperliche Untersuchung und eine umfassende Laboruntersuchung notwendig. Je nachdem drängen sich weitere Untersuchungen wie fachärztliche Beurteilungen, Bildgebungen usw. auf. Sie suchen nach möglichen Beschwerdequellen wie entzündlichen Erkrankungen, degenerativen Veränderungen oder Stoffwechselstörungen. Die Abklärungen erfolgen vorzugsweise – aber keineswegs zwingend – durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Rheumatologie.

Therapie und Selbsthilfe

Die Medizin kennt keine spezifische, wirksame und kausale Therapie zur Behandlung der Fibromyalgie. Jedoch haben zahlreiche Behandlungsformen nachweislich eine lindernde Wirkung und verbessern die Lebensqualität der Betroffenen. Im Vordergrund stehen verschiedene aktive Methoden, allen voran die kognitive Verhaltenstherapie.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie ist ein Sammelbegriff für diverse Therapien und Techniken, die auf eine Verhaltensänderung abzielen. Kernstück ist die Gesprächstherapie. Sie soll helfen, negative, oft passive Reaktionsmuster auf Stress und Schmerzen zu erkennen und durch positive, aktive Muster zu ersetzen.

Zur kognitiven Verhaltenstherapie zählen ferner Achtsamkeitsübungen, Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation und Selbsthypnose sowie Bewegungsmeditation in Form von Yoga, Pilates, Tai-Chi und Qi-Gong.

Zudem profitieren FMS-Betroffene von einem regelmässigen, leichten Ausdauertraining. Empfohlen werden Nordic-Walking, Schwimmen, Wassergymnastik und Velofahren auf dem Home-Trainer oder der Strasse. Die sportlichen Aktivitäten sind der Belastbarkeit behutsam anzupasssen. Übermässige Belastungen sind zu vermeiden, weil sie die Beschwerden verschlimmern.

Ein weiteres Element der kognitiven Verhaltenstherapie ist das «Pacing», das heisst, das Erlernen eines haushälterischen Umgangs mit den körperlichen und emotionalen Ressourcen. Die Tages- und Trainingsplanung umfasst den dosierten Einsatz der vorhandenen Energien genauso wie kurze Pausen und längere Erholungsphasen.

Ein weiterer Teil der kognitiven Verhaltenstherapie ist der Umgang mit dem sozialen Umfeld. Dazu gehören Familie, Freunde und Bekannte. Diese Beziehungen werden durch die Erkrankung oft erheblich belastet. Hier gilt es, Verständnis und Entlastung zu schaffen. Je nach Bedürfnis kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen in klassischen Selbsthilfegruppen oder geschlossenen Social-Media-Gruppen helfen.

Wurde die Fibromyalgie durch ein Trauma, eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung ausgelöst (oder in ihrer Entwicklung massgeblich begünstigt), kann die kognitive Verhaltenstherapie auch in Form einer Trauma-Therapie erfolgen.

Multimodale Therapie

Neben der kognitive Verhaltenstherapie gibt es zahlreiche weitere Therapien, die einen positiven Effekt auf die Symptome haben können. An verschiedenen medizinischen Zentren werden stationäre oder ambulante multimodale Therapien angeboten, bei denen verschiedene Berufsgruppen multimodal zusammenarbeiten: Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie, Psychosomatik, Sozialdienst, Schmerzdienst, Pflege usw.

Aktive Massnahmen können einen nachhaltigen Effekt haben und zu einer langfristigen Besserung führen, wohingegen passive Therapien wie Massagen und Wärmeanwendungen oft nur kurzfristig wohltun. Aktive Therapien rücken deshalb in den Vordergrund.

Ernährung

Wie bei vielen anderen Erkrankungen scheint auch bei der Fibromyalgie die Ernährung einen Einfluss auf die Beschwerden zu haben. Allgemein wird eine ausgewogene Ernährung mit genügend Früchten und Gemüse empfohlen. Zudem sollte man auf eine ausreichende Zufuhr von Vitalstoffen achten.

Einzelne Publikationen und Erfahrungsberichte von Betroffenen dokumentieren eine positive Wirkung einer Ernährungsumstellung auf die Schmerzen, die Lebensqualität, die Schlafqualität, auf Depression, Angstgefühle und andere Beschwerden der Fibromyalgie. Die Diäten zielen auf eine reduzierte Kalorienaufnahme, einen tiefen Anteil von Kohlenhydraten, eine vegetarische Ernährung, Rohkost, einen hohen Anteil an Antioxidantien oder auf Nahrungsergänzungsmittel, die dem Körper gewisse Vitamine und Mineralstoffen zuführen. Qualitative gute und überzeugende Studien zur Wirksamkeit einzelner Ernährungsweisen fehlen allerdings.

Medikamente

Eine wirkungsvolle medikamentöse Therapie zur Behandlung der Fibromyalgie ist nicht verfügbar. Klassische Schmerzmittel haben in den meisten Fällen keine oder nur einen geringen Wirkung. Wenn die FMS-Betroffenen darauf ansprechen und sie vertragen, lassen sich Schmerzmittel mit Paracatamol oder Metamizol sowie nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) einsetzen. Auf Opioide und Glukokortikoide (Cortison) sollte bei der Fibromyalgie konsequent verzichtet werden.

Gewisse Psychopharmaka – insbesondere Duloxetin (ein selektiver Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) und trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin – haben bei FMS-Betroffenen nachweislich eine schmerzdistanzierende Wirkung und können die Schlafqualität verbessern. Aber die Effekte sind bescheiden und die Nebenwirkungen häufig.

In den letzten Jahren haben Cannabis-Produkte in der Schmerztherapie an Bedeutung gewonnen. Aktuell sind in der Schweiz zwei rezeptpflichtige Cannabis-Medikamente zugelassen und diverse Magistralrezepturen verfügbar, die von autorisierten Apotheken hergestellt werden. In Studien zeigt vor allem Tetrahydrocannabinol (THC) eine allgemein gute schmerzlindernde Wirkung. Dank einer Änderung des Betäubungsmittelgesetzes braucht es dafür seit August 2022 keine Ausnahmebewilligung mehr.

Erfahrungsmedizin

Wie bei allen chronischen Erkrankungen mit hohem Leidensdruck und geringen schulmedizinischen Erfolgen herrscht auch unter FMS-Betroffenen eine rege Nachfrage nach alternativen Mitteln und Methoden. Prinzipiell soll und darf man alle seriösen Angebote ausprobieren. Was individuell als hilfreich und gut empfunden wird, muss jedoch nicht automatisch für alle FMS-Betroffene gelten. Zudem fehlen ausreichende wissenschaftliche Wirkungsnachweise.

Prävention

Gezielte präventive Massnahmen zur Verhinderung einer Fibromyalgie gibt es nach heutigem schulmedizinschem Wissensstand keine. Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Fibromyalgie einhergehen, sollten jedoch frühzeitig und wirksam behandelt werden. Auch lang andauernde Stressphasen und emotional belastende Situationen gilt es, möglichst zu vermeiden werden, bzw. man sollte gegebenenfalls aktiv Hilfe suchen und Angebote in Anspruch nehmen.

Letzmalige Aktualisierung: April 2022
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