
Die rheumatoide Arthritis ist eine chronisch‑entzündliche Autoimmunerkrankung, die ohne wirksame Behandlung zu Schmerzen, Einschränkungen und dauerhaften Gelenkschäden führen kann. Frühzeitige und zielgerichtete Therapie ist deshalb besonders wichtig. Genau hier setzt die «Treat to Target»‑Strategie an, ein Behandlungskonzept, bei dem Betroffene und Ärzte gemeinsam klare Therapieziele festlegen.
Bei einer chronischen Erkrankung wie der rheumatoiden Arthritis (RA) ist eine rein reaktive Behandlung oft nicht ausreichend. Ein zielgerichtetes Vorgehen ist notwendig, um langfristige Schäden zu verhindern. «Treat to Target» ist ein etabliertes, wissenschaftlich gut untersuchtes Konzept, das sich in internationalen Empfehlungen zur Behandlung von RA fest verankert hat.
Das Konzept wurde ursprünglich für die Behandlung von Bluthochdruck entwickelt und später erfolgreich in die Rheumatologie übernommen. Das «Treat to Target»-Prinzip (kurz T2T), zu Deutsch «Behandeln nach Zielvorgabe», ist eine Behandlungsstrategie und kein spezifisches Medikament.
Die Kernidee dahinter ist es, dass Ärztin und Patient gemeinsam ein klares und messbares Therapieziel definieren. Anschliessend wird die Therapie konsequent an diesem Ziel ausgerichtet, regelmässig überprüft und bei Nichterreichen angepasst, bis man sich dem Ziel nähert. Dieser Ansatz fördert eine aktive Partnerschaft zwischen Ärztin und Patient und stellt sicher, dass die Behandlung so effektiv wie möglich erfolgt.
Die Ziele von T2T umfassen mehr als nur Schmerzlinderung
Die Festlegung klar definierter Ziele ist ein zentraler Baustein im Management einer chronischen Erkrankung. Sie geben der Behandlung eine klare Richtung und machen den Therapieerfolg messbar.
Bei der T2T-Strategie geht es jedoch um mehr als die kurzfristige Linderung von Symptomen. Im Ergebnis soll nämlich für den Patienten eine Maximierung der Lebensqualität erreicht werden: Dies durch die Kontrolle von Krankheitssymptomen wie Schmerz, Entzündung, Steifigkeit und Erschöpfung (Fatigue), die Verhinderung von Schäden an Gelenken und Knochen sowie die Wiedererlangung der normalen Funktionsfähigkeit und Teilhabe an den Aktivitäten des täglichen Lebens.
Um dieses Ergebnis zu erreichen, werden konkrete klinische Ziele festgelegt. Die beiden primären Ziele von T2T lauten hierbei:
- Remission (Idealziel): Remission bedeutet, dass keine oder nur eine minimale Krankheitsaktivität nachweisbar ist. Dies ist das Idealziel. Der Patient ist im Wesentlichen beschwerdefrei und das Fortschreiten der Erkrankung ist kontrolliert.
- Niedrige Krankheitsaktivität (realistisches Alternativziel): Insbesondere für Patienten, die bereits eine lange Krankheitsdauer haben, ist eine vollständige Remission nicht immer erreichbar. In solchen Fällen ist eine niedrige Krankheitsaktivität ein akzeptables und realistisches alternatives Therapieziel.
- Neben diesen klinischen Therapiezielen ist es entscheidend, auch die persönlichen Ziele der Betroffenen zu berücksichtigen. Ob es der Wunsch ist, wieder wandern zu gehen, im Beruf aktiv zu bleiben oder einfach nur alltägliche Aufgaben ohne Einschränkungen zu bewältigen – die Einbindung dieser individuellen Wünsche stärkt die Motivation und stellt sicher, dass die Behandlung auf das ausgerichtet ist, was für den Patienten wirklich zählt.
Der Prozess hinter T2T

Treat-to-Target ist kein einmaliger Akt, sondern ein dynamischer und kontinuierlicher Prozess. Er basiert auf einem regelmässigen Zyklus, der sicherstellt, dass die Therapie wirksam bleibt und die gesetzten Ziele erreicht werden. Dieser Prozess lässt sich in drei Schritten beschreiben:
- Regelmässige Messung: Um den Therapierfolg objektiv beurteilen zu können, wird die Krankheitsaktivität in regelmässigen Abständen gemessen und dokumentiert. Dafür kommen standardisierte Instrumente zum Einsatz. Hierzu gehören klinische Scores, die von der Ärztin erhoben werden, sowie ergänzende Patientenfragebögen, um die subjektive Wahrnehmung der Krankheitslast und deren Einfluss auf den Alltag zu erfassen. Der Therapieerfolg entsteht durch Zusammenarbeit von Patient und Behandlungsteam. Eine aktive Mitwirkung des Patienten und ein gemeinsames Verständnis der Therapieziele unterstützen dabei eine bestmögliche Behandlung.
- Gemeinsame Bewertung: Die Ergebnisse dieser Messungen werden anschliessend von der Ärztin und dem Patienten gemeinsam besprochen. In diesem Gespräch wird bewertet, ob das zuvor definierte Therapieziel – Remission oder niedrige Krankheitsaktivität – erreicht wurde. Dies ist ein zentraler Moment der partnerschaftlichen Entscheidungsfindung.
- Konsequente Anpassung: Wurde das Ziel nicht erreicht, wird die Therapie konsequent angepasst. Dieses Prinzip ist das Herzstück von T2T. Bei Patienten mit hoher oder moderater Krankheitsaktivität sollte die Krankheitsaktivität engmaschig, zum Beispiel monatlich, überprüft werden. Basierend darauf muss die Therapie spätestens alle drei Monate angepasst werden, wenn das Ziel nicht erreicht wird. Ist das Behandlungsziel hingegen erreicht und stabil, können die Kontrollen in grösseren Abständen erfolgen, beispielsweise alle drei bis sechs Monate, um den Zustand zu überwachen und Krankheitsschübe frühzeitig zu erkennen.

Vorteile für Betroffene
Die konsequente Anwendung der T2TStrategie bringt für den Alltag und die langfristige Gesundheit von Menschen mit rheumatoider Arthritis entscheidende Vorteile mit sich. Sie stärkt Betroffene, indem sie sie zu aktiven Partnern im Behandlungsprozess macht.
Durch die gemeinsame Zielsetzung rücken individuelle Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Klare Ziele, regelmässige Kontrollen und ein strukturierter Plan geben Orientierung und reduzieren Unsicherheit. Die kontinuierliche Anpassung der Therapie trägt ausserdem dazu bei, die Entzündungsaktivität unter Kontrolle zu halten und senkt das Risiko bleibender Schäden.
Langfristig verbessert dies die körperliche Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität. Wenn Sie von Rheumatoider Arthritis betroffen sind, zögern Sie nicht, das Gespräch mit Ihrem Rheumatologen zu suchen. Fragen Sie aktiv nach der T2T-Strategie und formulieren Sie Ihre persönlichen Ziele für die Behandlung. Indem Sie eine aktive Rolle übernehmen, können Sie massgeblich zum Erfolg Ihrer Therapie beitragen.
Dieser Text wurde im Mitgliedermagazin forumR 1/2026 der Rheumaliga Schweiz publiziert.
Text: Vivian Decker und Zoé Burkhard
Illustration: Leroy Steinmann für AbbVie AG
