Junge Frau beim Malen
28.09.2026

Wenn der Körper Grenzen setzt – und der Wille weiterträgt

Isabella Ferrara weiss, was es heisst, wenn der eigene Körper Grenzen setzt. Doch sie weiss auch, was alles trotzdem möglich ist. Mit Kreativität, Willensstärke und einer bemerkenswert positiven Haltung geht die 27-Jährige ihren Weg – und macht damit auch anderen jungen Menschen mit Rheuma Mut.

Der Geruch von Farbe liegt in der Luft. Die Balkontür steht einen Spalt breit offen, zwei Stubentiger schleichen herum. Eine junge Frau sitzt vor einer Staffelei und führt sorgfältig den Pinsel über die Leinwand. Mehrere Tätowierungen zieren ihre Arme. Beim Malen fallen ihr immer wieder die langen dunklen Haare ins Gesicht. Gedankenversunken streicht sie sich die blauen Strähnen hinters Ohr.

Isabella Ferrara ist 27-jährig, hat Soziologie studiert und arbeitet als Peer-Fachperson in Zürich. In ihrer Freizeit ist sie gerne kreativ: Sie malt oder macht Musik. Vor kurzem habe sie sich in ihrer Wohnung ein kleines Atelier eingerichtet, erzählt sie strahlend. Doch dann wird sie nachdenklich: «Es ist für mich ein zwiespältiger Ort». Den Pinsel locker in der Hand halten oder die Finger über die Keyboardtasten gleiten lassen – was leicht aussieht, bedeutet in der Realität Anstrengung und Schmerz. Isabella Ferrara leidet an rheumatoider Arthritis.

Die Diagnose erhielt sie vor 10 Jahren. «Damals, ich besuchte noch das ‘Gymi’, war es schwierig, den Mitschülern zu erklären, was mit mir los war», erinnert sie sich. Bis dahin habe sie selbst gedacht, Rheuma sei eine Alterskrankheit. Heute könne ihr Umfeld damit umgehen. Im Alltag ist Isabella Ferrara oft auf Hilfe angewiesen. Die kleinsten Dinge wie eine Jacke oder einen Rucksack anzuziehen sind unmöglich, wenn die Schulter schmerzt. Sich die Haare zu machen oder Zähne zu putzen fällt schwer. Am schlimmsten ist es morgens – da ist die Steifigkeit am grössten. Etwa alle drei Monate erlebt sie einen stärkeren Schub: Schultern, Arme, Handgelenke und Finger werden steif, dazu kommen Schmerzen in den Sehnen. Während dieser Phasen sind auch Müdigkeit und Niedergeschlagenheit gross.

Trotzdem ist die junge Frau mit sizilianischen Wurzeln ein positiver und willensstarker Mensch. «Wichtig ist, konstant vorauszuplanen und mit den eigenen Kräften haushälterisch umzugehen.» Aktivitäten wie Wandern oder Fitness sind für Gleichaltrige ein Vergnügen, für Isabella Ferrara bedeuten sie Stress. Dafür hat sie das Schwimmen für sich entdeckt. Im Wasser fühlt sie sich unbeschwert. Bereits fünfmal hat sie die Stadtzürcher Seeüberquerung gemeistert - 1'500 Meter vom Strandbad Mythenquai bis ins Strandbad Tiefenbrunnen. «Das ist der Tag im Jahr, an dem mir mein Körper zeigt, dass er mich trägt.»

Seit 2018 engagiert sie sich im Betroffenenrat der Rheumaliga Schweiz und gibt jungen Menschen mit Rheuma eine Stimme. «Mein Wunsch ist, Betroffenen zu zeigen, dass man aus etwas Negativem auch Positives gewinnen kann.»

Dieses Porträt ist im Jahresbericht 2025 der Rheumaliga Bern und Oberwallis erschienen.