Trailrun Verbier Teil 3

Wenn der Körper zum Fachgebiet wird – Leben mit der unsichtbaren Diagnose

Wer Nadine und Stephanie beim Laufen beobachtet, sieht zwei motivierte Frauen, die ihr Ziel fest im Blick haben. Was man nicht sieht, ist der tägliche Kampf mit einem Körper, der oft seine eigenen Regeln schreibt. Rheuma als «unsichtbare» Krankheit – und genau das macht den Umgang mit ihr so herausfordernd.

Bei beiden Frauen kamen die Schmerzen schleichend, oft getarnt als vermeintliche Sportverletzungen.

Nadine

Nadine (39) spürte an ihrem 30. Geburtstag zum ersten Mal ein "Zwicken" im Finger. Die Diagnose Rheumatoide Arthritis erhielt sie dann nach einigen medizinischen Abklärungen.


Stephanie

Stephanie (46) kämpft heute an drei Fronten:
Morbus Bechterew, der bereits zu Verknöcherungen an der Wirbelsäule geführt hat, Psoriasis-Arthritis und Fibromyalgie.


Eines haben beide gelernt: Man muss die eigene Anwältin sein. Stephanie musste oft «auf die Hinterbeine stehen», um Gehör zu finden. "Ich wohne in diesem Körper, ich spüre, wenn etwas nicht stimmt", betont sie. Dieser Prozess hat sie zu einer Expertin in eigener Sache gemacht. Früher ging sie beim Sport oft über ihre Grenzen, heute ist sie viel bedachter. Es ist eine Ironie der Krankheit: Man muss erst krank werden, um zu lernen, wirklich auf das eigene Körpergefühl zu hören.

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Das Training als Balanceakt: Schmerz oder Freude?

Besonders im Winter, wenn die Kälte die Gelenke zusätzlich fordert, wird jeder Lauf zur Gewissensfrage. Nadine beschreibt diesen inneren Dialog sehr ehrlich: "Morgens habe ich am meisten Beschwerden. Würde ich jedes Mal bei Schmerzen pausieren, käme ich nie zum Laufen." Ihre Strategie ist ein „weicher Umgang“ mit sich selbst. Sie geht los, lässt sich aber die Option offen, nach wenigen Metern wieder umzudrehen, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Es geht darum, den Druck rauszunehmen. Wenn eine Woche mal nur 4 statt 15 Kilometer bringt, ist das kein Scheitern, sondern Akzeptanz der Tagesform. "Wir sind keine Profisportler", ergänzt Stephanie, "der Sport soll uns beflügeln und Spass machen."


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Das Sicherheitsnetz: Medizinische Begleitung

Obwohl beide den Lauf eher beiläufig bei ihren Ärzten erwähnt haben, ist eine professionelle Begleitung unverzichtbar:

  • Physiotherapie als Anker: Für beide gehört Physio zum Standardprogramm. Es geht um Mobilisierung, Kraftaufbau und das Lösen von Verklebungen. Beide werden wöchentlich begleitet.
  • Medikamentöse Stabilität: Dank moderner Immunsuppressiva und einer engen Abstimmung mit der Rheumatologin ist das Projekt überhaupt erst möglich.

Ein erfülltes Leben ist trotz chronischer Diagnose möglich. Stephanie resümiert passend: "Rheuma zu leben, bietet auch Chancen. Schau uns an! Vielleicht eröffnen sich durch die Krankheit Wege und Begegnungen, die man sich vorher nie hätte ausmalen können."


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