Wenn die Vorfreude «quirlig» wird – Der Blick Richtung Verbier
Die Taschen sind gepackt, die Schuhe eingelaufen und die Nervosität beginnt langsam, aber sicher zu knistern. Es ist jener Moment kurz vor dem Start, in dem die Monate des Trainings, der Zweifel und der kleinen Siege an einem Punkt zusammenlaufen. Was vor einem Jahr als fast schon verrückte Idee begann, ist nun greifbar nah. Doch wer glaubt, dass es bei einem Trailrun nur um das blosse Rennen geht, unterschätzt die stille, akribische Detailarbeit, die Nadine und Stephanie hinter sich haben.

Ein Puzzle aus Vertrauen und Material
Ein Lauf mit Rheuma bedeutet, dass jedes Detail am Körper eine Hauptrolle spielt. Nadine hat einen regelrechten Prozess durchlaufen, um die perfekten Schuhe und speziell angefertigte Einlagen zu finden, die ihre Füsse sicher über den steinigen Untergrund tragen. Selbst bei der Wahl der Socken darf nichts dem Zufall überlassen werden, denn schon ein zu enger Bund könnte an den Gelenken Schmerzen verursachen. Auch Stephanie hat ihre Ausrüstung bis ins Letzte abgestimmt – von den Trailrunning-Schuhen bis hin zu speziellen Kompressionen für die Hände, die bei der Anstrengung oft anschwellen. Die Packliste der Rennleitung ist streng und jedes Gramm der Regenjacke oder der Notfallausrüstung muss federleicht sein, wenn man sich über 28 Kilometer und gefühlte 44 Leistungskilometer den Berg hinaufkämpft.

Von Morgenruhe und dem inneren Aufhypen
Wie sich die beiden den Morgen des grossen Tages vorstellen, ist ein fein abgestimmter Mix aus Fokus und Ruhe. Während Stephanie wahrscheinlich schon um fünf Uhr früh hellwach sein wird, setzt Nadine auf ein bewusstes Schlafritual am Vorabend. Der Renntag selbst startet für beide mit einem Kaffee und einer nahrhaften Kraftbrühe. Auf der Fahrt zum Start wird Musik eine wichtige Rolle spielen – ein Moment, um sich mental aufzuhypen, aber auch, um das Nervensystem wieder herunterzuregulieren. Es geht darum, die Energie nicht schon beim ersten Schritt zu verpuffen, sondern mit Bedacht und Respekt vor der Strecke zu starten.

Die quirlige Freude an der eigenen Kraft
Für beide ist dieser Lauf in Verbier weit mehr als ein sportlicher Wettkampf; es ist eine gesunde Grenzüberschreitung, an der sie gemeinsam wachsen. Nadine beschreibt ihre Vorfreude heute als richtiggehend «quirlig». Aus dem anfänglichen Gefühl des Müssens ist eine echte, intrinsische Freude am Laufen geworden. Sie geniesst es, den Kopf beim Laufen durchzulüften und sich von der Natur inspirieren zu lassen. Diese Begeisterung hat sogar schon Kreise gezogen: Freunde wurden angesteckt und haben nun ebenfalls mit dem Laufen begonnen. Es ist, als ob der «Rheumarennclub» schon vor dem Start seine ersten Mitglieder gefunden hätte.
Hinter der Ziellinie
Wenn sie schliesslich die weisse Linie in Verbier überqueren, wartet die grösste Belohnung: eine feste Umarmung zwischen zwei Freundinnen, vielleicht ein Freudensprung und ganz sicher ein paar Freudentränen. Danach wird die Zeit für die Regeneration kommen – Wellness, Sauna und warme Bäder, um dem Körper für diese enorme Leistung zu danken. Es ist eigentlich nur eine Linie auf dem Boden, aber für Nadine und Stephanie trägt sie eine tiefe Bedeutung. Sie ist das Symbol für einen gemeinsamen Lebensabschnitt, für die Akzeptanz ihrer Herausforderungen und für das unglaubliche Potenzial, das zum Vorschein kommt, wenn man sich traut, einfach loszulaufen. Am 14.07. fällt der Startschuss und ihr könnt hautnah dabei sein. Wir nehmen euch den ganzen Tag mit und berichten live in unserer Story von der Strecke.Trailrun Verbier Teil 2
Trailrun Verbier Teil 3
