Trailrun Verbier Teil 2

Von Excel-Listen und Morgenrunden – Der Weg zur Form

Ein gemeinsames Ziel bedeutet nicht immer den gleichen Weg. Das zeigt sich bei Nadine und Stephanie besonders deutlich, wenn man einen Blick in ihre Trainingswochen wirft. Während die eine auf wissenschaftliche Präzision setzt, vertraut die andere auf Intuition und die Ruhe der frühen Morgenstunden.

Nadine

Der sanfte Aufbau nach Plan

Für Nadine (39) war der Start im vergangenen August eine echte Überwindung. "Früher habe ich viel Sport gemacht, aber das Rheuma hat mir irgendwann den Stecker gezogen", erinnert sie sich. Joggen war nie ihre Leidenschaft, die Kondition nach langer Pause im Keller. Doch sie fand einen strategischen Weg zurück: Mit einem Trainingsplan ihres Partners, der als Mediziner ein Faible für Statistiken und Excel-Listen hat, baute sie ihre Leistung auf.

Ihr Geheimnis? Der Fokus auf den Puls. Nadine trainiert strikt im niedrigen Bereich (unter 140 Schlägen pro Minute). Was mit einer Minute laufen und zwei Minuten gehen begann, hat sich zu einer festen Routine entwickelt:

  • Dreimal pro Woche: Feste Läufe, mal flach an der Limmat, mal mit Höhenmetern auf die Waid.
  • Hillsprints: Kurze, intensive Intervalle am Berg, um die Muskulatur zu stählen.
  • Ergänzung: Aquazumba und Sauna für die Regeneration.

Aus dem anfänglichen „Müssen“ ist eine echte Ressource geworden. Heute geniesst Nadine das Gefühl, oben auf der Waid anzukommen – ein Erfolgserlebnis, das sie physisch und mental stärkt.


Stephanie

Flow und Freiheit am Morgen

Stephanie (46) lacht, wenn sie Nadines exakte Pläne sieht. Ihr Training ist weniger mathematisch, aber nicht weniger diszipliniert. Sie ist eine klassische Morgensportlerin. Oft steht sie schon um fünf Uhr früh auf, um noch vor der Arbeit eine Runde mit ihrem Hund zu drehen. "Am Morgen bist du alleine unterwegs, es ist berauschend, wenn es langsam hell wird", beschreibt sie ihre Motivation.

Trotz Rückschlägen – darunter ein Skiunfall, eine Knie-Operation im Oktober und eine Erkrankung während ihrer Ferien in Sri Lanka – verliert sie das Ziel nie aus den Augen. Stephanie läuft nach Gefühl und Pace, immer im Flow ihrer Musik, die für sie eine emotionale Stütze ist. An guten Wochenenden schafft sie Distanzen zwischen 10 und 15 Kilometern. Ihr Körpergefühl sagt ihr genau, wann sie Gas geben kann und wann die Balance zwischen Anstrengung und rheuma-bedingter Rücksichtnahme gefragt ist.


Am Ueetliberg

Jede für sich – und bald zusammen

Bisher trainieren die beiden meist individuell. Das hat einen grossen Vorteil: Jede kann im eigenen Rhythmus wachsen, ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen. "So muss sich keine schlecht fühlen und denken: Oh nein, ich bin noch gar nicht so weit", erklärt Stephanie.

Doch die gemeinsamen Einheiten sind bereits geplant, als Strecke haben sie sich den Uetliberg ausgesucht.


Am Ueetliberg2

Treibstoff für die Gelenke

Auch die Ernährung hat sich bei beiden angepasst. Nadine achtet verstärkt auf Proteine, um den Muskelaufbau zu unterstützen – gar nicht so einfach bei einer vorwiegend vegetarischen Ernährung. Stephanie hingegen merkt schnell, wie Kohlenhydrate sie müde machen können, weiss aber um die Bedeutung von Pasta und Linsen für die Langzeitenergie. Beide sind sich einig: Es gibt einen Fahrplan, aber es gibt auch die „unkontrollierten Tage“. Perfektion ist nicht das Ziel. Nachhaltigkeit und Freude am Prozess hingegen schon.


Eine starke Partnerschaft an der Seite

Dass sie heute überhaupt in der Lage sind, ein solches Training anzugehen, sehen beide nicht als selbstverständlich an. Es ist eine Kombination aus den richtigen Medikamenten, einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper und dem Glauben an die eigene Stärke.

Aus einer mutigen Idee heraus entstand die Zusammenarbeit mit der Rheumaliga Zürich, Zug und Aargau. Die Rheumaliga begleitet die beiden auf ihrer Reise und erzählt ihre Geschichte in insgesamt fünf Blogposts. Nadine und Stephanie berichten von ihrem Trainingsalltag und das Leben mit der rheumatischen Diagnose. Es ist eine Plattform, um zu zeigen: Rheuma schliesst dich nicht aus.


Trailrun Verbier Teil 1