Nicole B. Spondyloarthritis-Betroffene

Rheuma im Gepäck - 
ein Reisebericht

Eine fünfmonatige Amerika-Reise mit Rheumamedikamenten

Ich bin Nicole, 27 Jahre alt, und lebe mit Spondyloarthritis. Seit Februar 2025 behandle ich meine Erkrankung mit Basismedikamenten (bDMARD). Anfang dieses Jahres bin ich von meiner fünfmonatigen Reise durch Nord- und Südamerika zurückgekehrt – eine Reise, die mich geprägt hat. Die Vorbereitung und das Reisen mit meiner Therapie brachten einige Herausforderungen mit sich, aber auch viele wertvolle Erfahrungen. Denn mein Rheumamedikament ist eine Spritze, die ununterbrochen bei einer Temperatur von 2 bis 8 °C gekühlt werden muss. Diese Erfahrung möchte ich hier gerne mit anderen Betroffenen teilen und ihnen Mut machen. Denn auch mit einer chronischen Erkrankung können grosse Träume möglich bleiben.

Meine Diagnose: Spondyloarthritis

Nach sechs Jahren voller Schmerzen, Unsicherheit und Arztbesuchen erhielt ich im Februar 2025 endlich die Diagnose Spondyloarthritis. Rückblickend dauerte es auch deshalb so lange, weil ich mir lange nicht eingestehen wollte, dass ich an Rheuma erkrankt war. Ich probierte vieles aus – alternative Methoden, Bewegung, tägliches Dehnen – doch die Beschwerden wurden nicht besser, sondern zunehmend stärker.

Schliesslich wurde mir klar, dass ich eine Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten beginnen musste. Genau zu diesem Zeitpunkt steckte ich jedoch bereits mitten in der Planung für eine fünfmonatige Reise durch Amerika mit meinem Freund – ein Traum, auf den wir lange hingefiebert hatten.

Reisen trotz Unsicherheit

Plötzlich war da nicht mehr nur die Vorfreude, sondern auch eine riesige Unsicherheit: Wie sollte ich monatelang mit Medikamenten reisen, die dauerhaft gekühlt werden müssen? Würde ich an den Grenzen Probleme bekommen? Könnte ich die Medikamente unterwegs organisieren? Und wie würde mein Körper überhaupt auf die Therapie reagieren?

Trotz aller Zweifel entschied ich mich nach vielen Gesprächen mit meinen Liebsten und mit der Unterstützung meines Freundes dafür, die Reise trotzdem anzutreten. Heute bin ich unglaublich dankbar dafür.

Intensive Recherchearbeit

Nicole B. mit Reisegepäck

Die Monate vor der Reise waren intensiv. Ich recherchierte unzählige Stunden zu Kühltaschen, Medikamentenkühlschränken und Erfahrungsberichten anderer Betroffener. Erstaunlicherweise fand ich nur sehr wenige persönliche Erfahrungen zum Reisen mit solchen Medikamenten – genau deshalb möchte ich meine Geschichte teilen. Ich testete verschiedene Kühltaschen und Kühlmöglichkeiten, sprach mit Apotheken und suchte nach einer Lösung, der ich wirklich vertrauen konnte. Viele Produkte hielten die Temperatur deutlich kürzer als versprochen oder waren unpraktisch für längere Reisen.

Schliesslich fand ich eine Kühltasche mit Kühlelementen, die bis zu 15 Stunden kühl blieb. Zusätzlich kaufte ich einen kleinen Medikamentenkühlschrank, ungefähr so gross wie eine Ein-Liter-Flasche (siehe Foto Seitenfach Rucksack). Dieser konnte sowohl an einer Steckdose als auch mit Powerbanks betrieben werden. Mit zwei vollgeladenen Powerbanks bleibt die Kühlung für etwa 18 Stunden erhalten – eine enorme Erleichterung.

Auch organisatorisch gab es einiges zu beachten. Mein Arzt unterstützte mich von Anfang an sehr und stellte mir alle wichtigen Dokumente auf Englisch und Spanisch aus: ärztliche Bestätigungen, Informationen zu meiner Erkrankung und Rezepte.

Herausforderungen: 
Reiseimpfungen und Zollbestimmungen 

Besonders herausfordernd waren zudem die Reiseimpfungen. Da ich immunsuppressive Medikamente einnahm, kamen Lebendimpfstoffe für mich nicht infrage. Da es nicht bei allen Impfstoffen eine Alternative gibt, haben wir uns gegen einige Reiseziele entschieden, darunter Teile von Peru mit Gelbfieberrisiko. Das bedeutete zwar weniger Flexibilität, gab mir aber ein besseres Gefühl von Sicherheit.

Zusätzlich informierte ich mich intensiv über Zollbestimmungen. Besonders die Information, dass man offiziell nur Medikamentenvorrat für maximal drei Monate in die USA einführen dürfe, verunsicherte mich stark, da ich einen Vorrat für fünf Monate dabeihatte. Letztlich hoffte ich darauf, dass meine Unterlagen und die Erklärung unserer Weiterreise ausreichend sein würden.

Vor allem vor der ersten 
Sicherheitskontrolle war ich nervös.

Nicole B. zur Einreise in die USA mit ihren Rheumamedikamenten im Gepäck. 

Reisestart. Endlich!

Dann war es endlich so weit: Fünf Monate USA, Costa Rica und Patagonien lagen vor uns. Vor allem vor der ersten Sicherheitskontrolle war ich nervös. Doch überraschenderweise verlief alles viel unkomplizierter als erwartet. Das Sicherheitspersonal fragte meist nur kurz nach dem Inhalt meiner Tasche und eine knappe Erklärung genügte vollkommen. Meine ärztlichen Unterlagen musste ich kein einziges Mal vorzeigen. Trotzdem würde ich sie jederzeit wieder mitnehmen – allein schon für das eigene Sicherheitsgefühl.

In den USA reisten wir grösstenteils mit dem Camper, was für die Medikamente ideal war. Dank des integrierten Kühlschranks konnten wir die Kühlkette problemlos einhalten.

Herausforderung: Südamerika

Nicole B. in Patagonien

In Costa Rica fand ich eine andere Lösung: Gleich zu Beginn buchten wir ein Airbnb in Flughafennähe und fragten die Gastgeber, ob wir einen Teil der Medikamente und die Kühlelemente dort lagern dürften, bis wir zurückkehrten. Zu unserer Erleichterung waren sie sofort hilfsbereit. Dadurch konnten wir das Land viel entspannter bereisen. Lediglich eine einzelne Spritze nahm ich mit, da sie bis zu einem Monat ungekühlt gelagert werden kann – allerdings nur bei Raumtemperatur. In tropischen Ländern wie Costa Rica war selbst das manchmal schwierig, weshalb der kleine Medikamentenkühlschrank weiterhin wichtig blieb.

In Patagonien waren wir oft viele Stunden mit öffentlichen Bussen unterwegs. Während die Unterkünfte meist problemlos Kühlschränke hatten, wurde der kleine Kühlschrank auf langen Busfahrten besonders wertvoll. Dank Powerbanks konnten wir die Kühlung zuverlässig aufrechterhalten.

Hilfsbereites Flugpersonal

Während der Reise merkte ich schnell, dass vor allem lange Flugreisen kritisch werden können – besonders bei Verspätungen oder Anschlussflügen. Ein besonders langer Flug mit insgesamt rund 30 Stunden Reisezeit brachte uns an unsere Grenzen. Erst spät bat ich das Flugpersonal um Hilfe – und bekam sie sofort. Die Medikamente konnten gekühlt werden, die Kühlelemente konnten ins Gefrierfach. Diese Erfahrung zeigte uns, wie wichtig es ist, frühzeitig zu handeln und Hilfe anzunehmen.

Fazit: Vieles ist möglich!

Nach fünf wunderschönen Monaten kam ich mit unzähligen Erinnerungen, Erfahrungen und neuem Selbstvertrauen nach Hause. Die Reise zeigte mir, dass vieles möglich ist – auch mit einer chronischen Erkrankung. Natürlich war die Vorbereitung aufwendiger und manchmal anstrengend. Wir mussten an zusätzliche Dinge denken, flexibel bleiben und immer wieder neue Lösungen finden. Doch mit der Zeit wurden wir entspannter und merkten, dass unsere Strategien funktionierten.

Besonders wichtig waren dabei eine gute Vorbereitung, verschiedene Alternativen und vor allem die Bereitschaft, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Immer wieder begegneten uns Menschen mit Verständnis und Hilfsbereitschaft.

Mir ist es ein grosses Anliegen, diese Erfahrungen zu teilen, und vielleicht konnte ich anderen Betroffenen dadurch ein wenig Hoffnung und Mut geben.

 

Reisen mit Krankheit ist nicht nur möglich. 
Es kann unglaublich bereichernd sein.

Nicole B. Betroffene Spondyloarthritis

Noch offene Fragen?

Auch Sie planen eine Reise und sind unsicher, ob Sie alle notwendigen Vorbereitungen getroffen und an alle Eventualitäten gedacht haben? Gerne können Sie sich mit Ihren Fragen zum Reisen an Nicole B. wenden. Schreiben Sie dazu eine Mail an kommunikation@rheumaliga.ch. Die Redaktion wird alle Fragen an die Autorin weiterleiten.