Diagnose Psoriasis-Arthritis

Psoriasis-Arthritis

Eine Kombination von Gelenkschmerzen und Hautproblemen.

Die Psoriasis-Arthritis (PsA) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die den Bewegungsapparat und die Haut betreffen kann. Typisch ist die Kombination von Schuppenflechte (Psoriasis) und Gelenksentzündungen (Arthritis). 

Die besondere Herausforderung der Psoriasis-Arthritis ergibt sich daraus, dass sie zwei Krankheitsbilder in sich vereint: die sichtbaren Haut- und Nagelveränderungen der Schuppenflechte und die grösstenteils unsichtbaren Gelenksentzündungen. Dieses Zusammenspiel stellt Betroffene im Alltag vor eine doppelte Belastung.

Die Psoriasis-Arthritis (PsA) weist gewisse Gemeinsamkeiten mit der rheumatoiden Arthritis (RA) auf, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, unterscheidet sich jedoch in wichtigen Punkten. Während die RA meist symmetrisch – also in beiden Körperseiten gleichzeitig – auftritt, verläuft die PsA oft asymmetrisch und zeigt sich zum Beispiel nur im linken Knie oder in den Fingern der rechten Hand. Zudem können auch die Wirbelsäule und Sehnenansätze betroffen sein.

Auffällig ist ferner, dass sich Haut- und Gelenkbeschwerden häufig unabhängig voneinander entwickeln. Manche Betroffene haben über Jahre hinweg nur Hautprobleme, während sich bei anderen zuerst Gelenke entzünden. Ungefähr jede dritte Person mit einer Schuppenflechte entwickelt im Laufe des Lebens auch Gelenkbeschwerden.

Periphere Ausprägung

Am häufigsten tritt die Psoriasis-Arthritis in den peripheren Gelenken auf, also in Händen und Füssen. Dabei können ganze Finger oder Zehen wurstförmig anschwellen.

Axiale Ausprägung

Bei einer axialen Ausprägung kommt es zu entzündlichen Veränderungen im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk und versteifen sich das Kreuzbein und die Wirbelsäule.

Verlauf in Schüben

Wie viele andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen verläuft die Psoriasis-Arthritis in der Regel schubweise. Das bedeutet, dass sich Phasen mit starken Entzündungen und Schmerzen mit Zeiten abwechseln, in denen die Symptome zurückgehen. Ohne angemessen Behandlung kann es zu bleibenden Gelenkschäden kommen, weshalb eine frühzeitige Diagnose wichtig ist.

Zuordnungen

  • Die Psoriasis-Arthritis zählt zu den Spondyloarthritiden. Diese Krankheitsgruppe umfasst auch Morbus Bechterew und die reaktive Arthritis.
  • Charakteristisch ist, dass neben Gelenken und Wirbelsäule auch Sehnenansätze oder Schleimbeutel entzündet sein können. Damit gehört die Psoriasis-Arthritis zur grossen Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
  • Zudem zählt man sie zu den Autoimmunkrankheiten.

Verbreitung

Wie weit verbreitet die Psoriasis-Arthritis ist, lässt sich nur ungenau bestimmen. Betroffen sind ist davon eine von 500 Personen.

Die Psoriasis-Arthritis macht sich meist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zum ersten Mal bemerkbar, kann aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen vorkommen. Häufig geht der Hautbefall den Gelenkbeschwerden um Jahre voraus.

Ungefähr jede dritte Person mit einer Schuppenflechte entwickelt im Laufe des Lebens auch Gelenkbeschwerden. Davon besonders betroffen sind Menschen mit starkem Hautbefall oder mit Nagelveränderungen.

Bei einer Minderheit tritt die Arthritis vor den Hautsymptomen auf; dann ist die Diagnose besonders schwierig.

Ursachen

Warum eine Psoriasis-Arthritis entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist nur: Es handelt sich um eine komplexe, chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der mehrere Faktoren zusammenwirken müssen. Es gibt keine einzelne Ursache.

Genetische Veranlagung

Menschen mit einer Psoriasis-Arthritis haben häufiger bestimmte Erbfaktoren, die im Immunsystem eine Rolle spielen, wie etwa das Merkmal HLA-B27. Man kann es sich als eine Art genetischen Ausweis vorstellen, den nicht alle, aber überdurchschnittlich viele Betroffene in sich tragen. Auch andere genetische Varianten sind in Studien aufgefallen. Diese Anlagen allein verursachen die Krankheit nicht, aber sie erhöhen das Risiko. Innerhalb von Familien zeigt sich: Wenn ein Elternteil von einer PsA betroffen ist, haben die Kinder ein höheres Risiko, ebenfalls daran zu erkranken. Die meisten bleiben aber gesund.

Immunologische Mechanismen

Fachleute gehen davon aus, dass bei einer PsA bestimmte Abwehrzellen überreagieren und körpereigene Strukturen angreifen. Ein Signalweg, der dabei besonders wichtig ist, wird als IL-23/IL-17-Achse bezeichnet. Diese funktioniert wie eine Befehlskette im Immunsystem: IL-23 gibt den Befehl, und IL-17 verstärkt die Entzündung. Bei vielen Betroffenen ist diese Kette überaktiv. Medikamente, die genau an dieser Stelle eingreifen, haben in den letzten Jahren die Behandlung deutlich verbessern können.

Infektionen und das Mikrobiom

Neben genetischer Veranlagung spielen äussere Einflüsse eine Rolle. So könnten bakterielle oder virale Infektionen eine Immunreaktion anstossen und zu einer Verwechslung führen. Fachleute sprechen von molecular mimicry. Dann greift das Immunsystem nach einer Infektion irrtümlich auch körpereigene Strukturen an. Solche Zusammenhänge sind in Studien beschrieben, aber nicht abschliessend bewiesen.

In den letzten Jahren rückt vermehrt das Mikrobiom in den Fokus der Forschung, also die Gesamtheit der Bakterien, Viren und Pilze, die auf und in unserem Körper leben, vor allem im Darm, aber auch auf der Haut. Diese Mikroorganismen erfüllen wichtige Aufgaben; sie helfen bei der Verdauung, trainieren das Immunsystem und schützen vor Krankheitserregern.

Auffällige Veränderungen im Mikrobiom wurden bei Menschen mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis schon mehrfach nachgewiesen. Manche Bakterienarten sind seltener, andere häufiger vertreten als bei Gesunden. Solche Verschiebungen könnten das Immunsystem beeinflussen und Entzündungen begünstigen. Allerdings ist fraglich, ob derlei Veränderungen Ursache oder Folge der Krankheit sind.

Weitere Einflussfaktoren

Neben Erbfaktoren, Immunprozessen und Umwelt spielen auch Lebensumstände eine Rolle. Stress, Übergewicht und Rauchen können die Krankheitsaktivität verstärken, gelten aber nicht als eigentliche Ursachen. Auch hormonelle Faktoren werden diskutiert, weil die Krankheit oft im mittleren Lebensalter beginnt.

Symptome

Die Psoriasis-Arthritis zeigt sich nicht bei allen gleich. Manche Betroffenen haben vor allem Hautprobleme, andere Gelenkschmerzen, und wieder andere beides gleichzeitig. Typisch ist ein schubweiser Verlauf: Zeiten mit starker Entzündung und Schmerzen wechseln sich mit Phasen ab, in denen es den Betroffenen sehr viel besser geht.

Haut und Nägel

Bei einer Psoriasis treten rote, schuppende Stellen häufig zuerst an der Kopfhaut auf, daneben auch an Ellbogen und Knien. Besonders belastend sind Veränderungen an den Finger- oder Zehennägeln. Diese können sich verfärben, einreissen oder krümelig werden. Nagelbefall gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Arthritis.

Gelenke und Wirbelsäule

Die Gelenksentzündungen beginnen meist schleichend und oft nur auf einer Körperseite. Häufig entzünden sich das Knie, die Sprunggelenke oder die kleinen Gelenke an Fingern und Zehen. Bei manchen Menschen kommt es zu einer Polyarthritis, die an eine rheumatoide Arthritis erinnert. Eine auffällige Besonderheit der Psoriasis-Arthritis ist die Daktylitis. Dabei schwellen ganze Finger oder Zehen schmerzhaft an («Wurstfinger» oder «Wurstzehen»).

Nicht selten beginnen die Beschwerden im unteren Rücken oder im Kreuz-Darmbein-Gelenk. Betroffene klagen dann über nächtliche Rückenschmerzen und morgendliche Steifigkeit.

Sehnen, Schleimbeutel und Brustkorb

Nicht nur die Gelenke, auch die Stellen, an denen Sehnen am Knochen ansetzen, können entzündet sein. Diese sogenannten Enthesitiden führen oft zu Schmerzen an Ferse oder Ellbogen. Auch Schleimbeutelentzündungen sind möglich. In seltenen Fällen betrifft die PsA den Brustkorb, etwa am Brustbein oder an den Rippenansätzen.

Systemische Symptome

Neben den lokalen Beschwerden berichten viele Betroffene von einer ausgeprägten Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue). Diese kann unabhängig von Hautproblemen und Gelenkschmerzen auftreten und den Alltag massiv einschränken. Auch depressive Verstimmungen kommen vor. Sie sind einerseits eine direkte Folge der chronischen Entzündung, sind andererseits aber auch der psychischen Belastung durch die schwierige Lebenssituation zuzuschreiben. Im Unterschied zu manchen anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind innere Organe bei der Psoriasis-Arthritis nur selten betroffen.

Begleiterkrankungen

Eine Psoriasis-Arthritis betrifft nicht nur Haut, Nägel, Gelenke und Wirbelsäule. Viele Betroffene entwickeln zusätzliche gesundheitliche Probleme, die direkt oder indirekt mit der Erkrankung zusammenhängen. Diese Begleiterkrankungen können den Verlauf beeinflussen, die Therapie erschweren und die Lebensqualität noch mehr einschränken.

Herz und Kreislauf

Besonders bedeutsam ist das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen mit einer Psoriasis-Arthritis erkranken häufiger an Bluthochdruck, Störungen des Fettstoffwechsels oder Diabetes mellitus. Diese Gesundheitsprobleme zählen zum metabolischen Syndrom. Studien zeigen, dass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei einer Psoriasis-Arthritis erhöht ist. Vermutlich spielen chronische Entzündungen im Körper eine zentrale Rolle. Deshalb empfehlen Fachleute den Risikopersonen, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmässig kontrollieren zu lassen.

Andere chronische Erkrankungen

Eng verbunden mit der Gruppe der Spondyloarthritiden sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Auch bei einer Psoriasis-Arthritis kann es zu Darmentzündungen kommen. Ebenfalls möglich sind Augenentzündungen wie die Iritis (Regenbogenhautentzündung).

Osteoporose und Muskeln

Längere Krankheitsverläufe, Bewegungsmangel oder auch die Einnahme bestimmter Medikamente erhöhen das Risiko für Osteoporose. Auch muskuläre Verspannungen oder Schwäche durch Schonhaltungen sind häufige Begleiter einer Psoriasis-Arthritis.

Psychische Gesundheit

Chronische Schmerzen, Fatigue und die sichtbaren Hautveränderungen belasten nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Viele Betroffene entwickeln im Verlauf eine Depression oder eine Angststörung. Diese Begleiterkrankungen beeinträchtigen nicht nur das Wohlbefinden, sondern können auch die Behandlung erschweren. Eine wertvolle Unterstützung bieten hier psychologischen Fachpersonen oder der Austausch in Selbsthilfegruppen.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Nicht immer ist eindeutig, ob Beschwerden Teil der Psoriasis-Arthritis oder Ausdruck einer anderen Krankheit sind. Gelenkschmerzen können auch von einer Arthrose herrühren, oder unspezifische Rückenschmerzen von myofaszialen, psychischen und sozialen Faktoren abhängen. Deshalb ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung wichtig, um Fehldiagnosen zu vermeiden und die richtige Therapie zu wählen.

Achten Sie bei einer Psoriasis-Arthritis auf ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit!

  • Regelmässige Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten
  • Rauchstopp und Masshalten beim Alkoholkonsum
  • Ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung
  • Ärztliche Abklärung bei Brustschmerzen, Atemnot oder ungewöhnlicher Erschöpfung

Diagnose

Die Psoriasis-Arthritis ist in ihrem Erscheinungsbild sehr vielfältig. Manche Betroffene haben nur Hautsymptome, andere nur Gelenkbeschwerden, wieder andere beides gleichzeitig. Da die Symptome meist schleichend einsetzen und unspezifisch sind, wird die Krankheit oft erst spät erkannt. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch entscheidend, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Anamnese und klinische Untersuchung

Das erste Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt bezieht sich meist auf die Veränderungen der Haut und der Nägel, auf Gelenk- und Rückenschmerzen sowie die Morgensteifigkeit. Eine körperliche Untersuchung zeigt, ob Gelenke geschwollen sind, ob es Druckschmerzen an Sehnenansätzen gibt oder ob typische Veränderungen an Fingernägeln vorliegen. Gerade die Kombination von Haut- und Gelenkbeschwerden ist ein wichtiger Hinweis auf die Psoriasis-Arthritis.

Laboruntersuchungen

Bluttests können Hinweise auf eine Psoriasis-Arthritis liefern, aber keine absolute Sicherheit. Typische Autoantikörper wie bei der rheumatoiden Arthritis (Rheumafaktor, Anti-CCP) fehlen in der Regel. Entzündungswerte wie CRP oder Blutsenkung können, müssen aber nicht erhöht sein. Bei manchen Betroffenen findet sich das genetische Merkmal HLA-B27, vor allem bei einer axialen Ausprägung. Für die Diagnose müssen alle diese Befunde jedoch weder zwingend vorliegen, noch sind sie allein aussagekräftig.

Bildgebende Verfahren

Röntgenbilder zeigen in frühen Krankheitsstadien oft keine Auffälligkeiten. Im Verlauf können sie jedoch typische Veränderungen erkennen lassen, die eine Psoriasis-Arthritis von einer rheumatoiden Arthritis unterscheiden. In frühen Phasen sind Ultraschalluntersuchungen oder Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreicher, weil sie Entzündungen an Gelenken, Sehnenansätzen oder im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk sichtbar machen.

Differenzialdiagnosen

Gelenkbeschwerden bei einer Psoriasis ergeben nicht automatisch eine Psoriasis-Arthritis. Abgegrenzt werden müssen andere entzündliche Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew, aber auch eine Arthrose. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung nach der jeweiligen Diagnose richtet. Auch die Betreuung ist unterschiedlich: Bei einer Psoriasis-Arthritis spielt die enge Zusammenarbeit von Rheumatologie und Dermatologie eine besondere Rolle. Manchmal ist es erst nach Monaten oder Jahren, eine eindeutige, sichere Diagnose zu stellen.

Typische Anzeichen einer Psoriasis-Arthritis

  • Gelenkschmerzen oder Schwellungen, die länger als sechs Wochen bestehen
  • Morgensteifigkeit über 30 Minuten
  • Schmerzen an Ferse, Ellbogen oder anderen Sehnenansätzen
  • «Wurstfinger» oder «Wurstzehen» (Daktylitis)
  • Nagelveränderungen wie Grübchen, Ablösungen oder Verfärbungen
  • Rückenschmerzen, die nachts oder morgens am stärksten sind

Behandlung und Selbsthilfe

Die Psoriasis-Arthritis gilt nach heutigem Stand der Medizin als unheilbar. Dennoch gibt es heute viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die Entzündungen dämpfen, Schmerzen reduzieren und Gelenkzerstörungen verhindern können. 

Das Ziel der Behandlung besteht darin, die Lebensqualität zu erhalten, die Beweglichkeit und Selbständigkeit zu bewahren und das Risiko für Begleiterkrankungen zu senken.

Besonders herausfordernd ist die gleichzeitige Behandlung der Schuppenflechte und der Gelenksentzündungen. Manche Therapien wirken vor allem auf die Gelenke, andere bessern zusätzlich die Hautsymptome. Deshalb braucht es in der Regel ein Zusammenwirken von Rheumatologie und Dermatologie.

Medikamentöse Therapie

Bei leichteren Fällen können zunächst nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac die Entzündungen dämpfen und die Schmerzen lindern.

Sind mehrere Gelenke betroffen, kommen Basismedikamente (DMARDs, krankheitsmodifizierende Medikamente) zur Anwendung, wie Methotrexat, Leflunomid oder Sulfasalazin. Sie unterdrücken das Immunsystem und damit die Entzündung. Methotrexat kann zudem bei manchen Betroffenen auch Hautveränderungen bessern. Diese Wirkung setzt meist erst nach einigen Wochen ein, ist dafür aber nachhaltig.

Ausserdem stehen Biologika zur Verfügung. Dabei handelt es sich um komplexe, biotechnologisch hergestellte Eiweisspräparate, die gezielt bestimmte Botenstoffe im Immunsystem blockieren. Besonders wichtig sind die Tumornekrosefaktor-Hemmer (TNF-Hemmer) sowie Medikamente, die Interleukine (Entzündungseiweisse) wie IL-17 oder IL-23 in ihrer Funktion hemmen. Diese wirken oft gleichzeitig auf Gelenke und Haut.

Eine weitere, neuere Möglichkeit bieten JAK-Hemmer. Sie blockieren Enzyme in den Zellen, die wie Schalter Signale des Immunsystems weitergeben. So werden Entzündungen abgeschwächt. Sie wirken vor allem auf die Gelenke, bei manchen auch auf die Haut.

Ebenfalls neu sind PDE4-Hemmer wie Apremilast. Sie beeinflussen Signalwege in den Zellen und wirken entzündungshemmend bei Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen.

Cortison (Glukokortikoide) wirkt stark entzündungshemmend. Bei einer Psoriasis-Arthritis wird es meist lokal eingesetzt, zum Beispiel als Spritze ins entzündete Gelenk oder den Sehnenansatz. So lässt sich ein akuter Schub schnell beseitigen. Eine dauerhafte Einnahme in Tablettenform wird jedoch vermieden, weil Cortison bei längerer Anwendung erhebliche Nebenwirkungen haben kann.

Nichtmedikamentöse Therapien

Physiotherapie hilft, Gelenke beweglich zu halten und die Muskulatur zu stärken. Ergotherapie unterstützt im Alltag, etwa mit gelenkschonenden Techniken oder Hilfsmitteln. Bewegung ist wichtig, sollte aber gelenkschonend sein – empfohlen werden Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking.

Zusätzlich können Wärme- oder Kälteanwendungen die Beschwerden lindern.

Selbsthilfe

Die medizinische Therapie ist umso wirksamer, wenn Betroffene sie mit eigener Selbstfürsorge ergänzen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen oder übermässigen Alkoholkonsum können die Krankheitsaktivität günstig beeinflussen.

Ebenso wichtig ist der bewusste Umgang mit Stress: Entspannungstechniken, Achtsamkeit oder Pausen im Alltag helfen, die Belastungen der Krankheit besser zu bewältigen.

Wer aktiv mit dem Behandlungsteam zusammenarbeitet und Veränderungen frühzeitig anspricht, kann die Therapie optimal auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen.

Dermatologie

Je schwerer sich eine Schuppenflechte ausprägt, desto wichtiger ist eine fachärztliche Betreuung durch eine Dermatologin oder einen Dermatologen. Für die Hautbehandlung kommen Salben, Lichttherapie oder spezielle Medikamente zum Einsatz. 

Zusätzliche Informationen und Beratungsmöglichkeiten finden Sie bei der Schweizerischen Psoriasis- und Vitiligo-Gesellschaft (SPVG)

Prognose

Personen mit einer Psoriasis-Arthritis haben eine günstige Prognose, wenn die Krankheit früh erkannt wird, wenn nur wenige Gelenke betroffen sind und wenn man die Behandlung konsequent durchführt.

Weniger günstig ist die Prognose, wenn sich schon zu Beginn viele Gelenke entzünden, wenn ein schwerer Haut- oder Nagelbefall hinzukommt oder wenn Begleiterkrankungen unbehandelt bleiben. Auch eine mangelnde Therapietreue verschlechtert die Aussichten.

Regelmässige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Stressbewältigung und ein Rauchstopp können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Lebenserwartung

Im Unterschied zu einigen anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen reduziert eine Psoriasis-Arthritis die Lebenserwartung in der Regel nicht. Wichtig ist aber, Begleiterkrankungen zu behandeln, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die das Risiko für vorzeitige Todesfälle erhöhen können.

Berufsleben

Mit einer wirksamen Behandlung können viele Betroffene ihr Berufs- und Sozialleben langfristig erhalten. Die Mehrheit bleibt auch nach Jahren arbeitsfähig. Einschränkungen ergeben sich vor allem durch Fatigue, Schmerzen oder sichtbare Hautveränderungen, die das Selbstwertgefühl belasten.

Allerdings ist nicht jede Berufstätigkeit gleich gut mit einer Psoriasis-Arthritis vereinbar. Schwere körperliche Arbeiten, Tätigkeiten mit hohem Zeitdruck oder mit starker Belastung durch Witterungseinflüsse können ein Problem sein. Umso wichtiger sind frühzeitige Anpassungen, flexible Arbeitszeitmodelle und das Gespräch mit der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber.

Prävention

Die Entstehung einer Psoriasis-Arthritis lässt sich nach heutigem Wissensstand nicht verhindern. Ob jemand erkrankt, hängt von vielen Faktoren ab, von denen sich die meisten einer persönlichen Kontrolle entziehen. Wichtiger als eine eigentliche Vorbeugung ist deshalb die Früherkennung, besonders bei einer Schuppenflechte.

Achten Sie auf Gelenkschmerzen, die über mehrere Wochen bestehen, auf eine auffällige Morgensteifigkeit oder Schwellungen an einzelnen Gelenken! Dies können erste Anzeichen für eine Psoriasis-Arthritis sein.

Typisch ist auch eine schmerzhafte Verdickung ganzer Finger oder Zehen. Ebenso sollten Nagelveränderungen wie Grübchen oder Ablösungen aufmerksam beobachtet werden, wenn sie zusammen mit Gelenkbeschwerden auftreten. Auch Rückenschmerzen, die sich in der Nacht oder am frühen Morgen verstärken, können auf eine Beteiligung der Wirbelsäule hindeuten.

Sekundär- und Tertiärprävention

Ist die Diagnose gestellt, rücken Massnahmen im Vordergrund, die ein Fortschreiten der Krankheit bremsen und Folgeschäden verhindern. Dazu gehören regelmässige ärztliche Kontrollen, die helfen, Entzündungen früh zu erkennen und die Behandlung rechtzeitig anzupassen. Eine konsequente Behandlung der Gelenksentzündungen schützt Knorpel und Knochen. Ebenso wichtig ist es, Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Lebensstil und Selbstfürsorge

Lebensstilfaktoren können den Verlauf einer Psoriasis-Arthritis erheblich beeinflussen. Übergewicht, Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum verstärken Entzündungen und erschweren die Behandlung. Demgegenüber wirkt sich eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch günstig aus. Auch regelmässige Bewegung ist von Bedeutung: Sie hält die Gelenke beweglich, stärkt die Muskeln und den Kreislauf und wirkt sich positiv auf die Psyche aus.

Stress reduzieren

Die psychische Verfassung ist ein wichtiger Faktor: Stress kann Entzündungen verstärken und Krankheitsschübe begünstigen. Wenn Sie Stress mit Hilfe von Entspannungsübungen, Achtsamkeit, psychologischer Unterstützung oder dem Austausch mit anderen Betroffenen besser bewältigen, können Sie den Verlauf günstig beeinflussen und die eigene Lebensqualität verbessern.

Zusammenfassung

  • Die Psoriasis-Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die sowohl die Haut als auch den Bewegungsapparat betrifft und sehr unterschiedlich verlaufen kann.
  • Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt; man geht davon aus, dass genetische Faktoren, immunologische Mechanismen, Umweltfaktoren und Veränderungen im Mikrobiom zusammenspielen.
  • Eine Psoriasis-Arthritis lässt sich mit modernen Medikamenten wirksam behandeln. Zu ergänzen ist die medikamentöse Therapie durch Physiotherapie, Hautpflege, Bewegung und Selbstfürsorge.
  • Für ein gutes Leben mit einer Psoriasis-Arthritis sind auch eine psychosoziale Unterstützung, der Austausch mit anderen Betroffenen und die ökonomische Absicherung wichtig.

Redaktion: Astrid Tomczak

Fachliche Prüfung: PD Dr. med. Raphael Micheroli, Leitender Arzt, Klinik für Rheumatologie, Unispital Zürich

Veröffentlichung: April 2026

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