Mann umfasst mit Händen sein Knie
04.06.2026

Arthritis oder Arthrose?

Eine kurze Anleitung zur Einordnung von Gelenkschmerzen.

Sie haben Gelenkschmerzen? Wenn es Rheuma ist, kann es sich um eine Arthritis oder eine Arthrose handeln. Unsere kurze Anleitung kann Sie anleiten, die Unterschiede zu erkennen.

Sie leiden – ohne eine vorangegangene Verletzung – an Gelenkschmerzen? Das heisst, ohne dass Sie sich ein oder mehrere Gelenke ausgerenkt oder verstaucht hätten? Und auch eine Zerrung oder einen Knochenbruch können Sie ausschliessen?

Dann haben Sie vermutlich eine Arthritis oder eine Arthrose.

Unsere kurze Anleitung möchte Sie für diese Unterscheidung sensibilisieren. Sie ist wichtig für die Wahl der Therapie. Denn eine Arthritis wird primär medikamentös, eine Arthrose hingegen primär nicht-medikamentös behandelt.

Sinnlich wahrnehmbare Unterschiede

Bei einer rheumatoiden Arthritis (der häufigsten Form der Arthritis) schmerzen in der Regel gleichzeitig mehrere Gelenke. Anfangs am häufigsten betroffen sind die Fingergelenke. Sie sind morgens steif und häufig geschwollen.

Daneben können auch die Zehen und grössere Gelenke wie die Handgelenke, die Ellbogen, die Schultern, die Knie oder die Hüftgelenke betroffen sein, ebenso die Kiefergelenke oder die Halswirbelsäule.

Grundsätzlich können die Gelenkschmerzen einer rheumatoiden Arthritis mit oder ohne Schwellung auftreten. Sind die Gelenke geschwollen, sind sie meist druckempfindlich und kann sich die Gelenkschwellung teigig anfühlen. Mögliche Ursachen für das teigige Gefühl sind ein Erguss oder eine Schwellung der entzündeten Gelenkinnenhaut (siehe Illustration). Von dieser Innenauskleidung der Gelenkkapsel nimmt die Entzündungsreaktion einer rheumatoiden Arthritis gewöhnlich ihren Ausgang.

Schematische Darstellung des Gelenkes: gesund und mit Arthritis

Zwar kann sich auch ein von Arthrose betroffenes Gelenk entzünden, sogar sehr heftig, aber im Normalfall rücken andere Wahrnehmungen in den Fokus:

Schwellung

Bei einer Arthrose fühlen Sie eher eine feste Schwellung. Ursache sind Knochenanbauten (Osteophyten), die das Gelenk verdicken.

Mechanik

Wenn Sie das von Arthrose betroffene Gelenk bewegen, bemerken Sie womöglich, dass es verfrüht anschlägt oder einrastet. Seine Beweglichkeit ist oftmals eingeschränkt.

Geräusche

Bei einer Arthrose können Sie das betroffene Gelenk bei Bewegung schleifen, knirschen oder knacken hören. Mögliche Ursache solcher Geräuschen sind abgebrochene Knorpelstücke oder das direkte Aneinanderreiben von Knochen.

Instabilitätsgefühl

Ein von Arthrose betroffenes Gelenk kann sich instabil anfühlen, wenn Sie es bewegen oder belasten. Sind das Knie oder die Hüfte betroffen, kann man die Empfindung haben, dass das Bein beim Gehen wegknicke oder beim Treppensteigen keinen sicheren Halt mehr gebe.

Diesem Gefühl der Instabilität liegen objektive Defizite zugrunde. So kann die längere Schonung eines Gelenkes die umgebenden Muskeln dermassen schwächen, dass diese das Gelenk nicht mehr genügend stabilisieren. 

Oder in der Gelenkkapsel kann eine Arthrose die für die Eigenwahrnehmung zuständigen Rezeptoren so verändern, dass das Gehirn verzögerte oder ungenaue Signale zur Lage des Gelenkes empfängt.

Unterschiede nach Zeiten und Tätigkeiten

Die Schmerzen einer Arthrose lassen gewöhnlich bei Ruhe nach und stören selten den Schlaf. Zu nächtlichen Schmerzen kommt es meist nur in einem stark fortgeschrittenen Stadium oder im Modus einer akuten Entzündung.

Am Morgen nach dem Aufstehen empfinden Sie bei einer Arthrose womöglich einen kurzen Anlaufschmerz. Zudem kann sich ein betroffenes Gelenk kurze Zeit steif und unbeweglich anfühlen.

Tagsüber kommen oder verstärken sich Arthrose-Schmerzen meist nach körperlich belastenden Aktivitäten. Nach längerem Sitzen kann es zu einem Anlaufschmerz kommen.  

Typisch für eine Arthrose im Frühstadium

  • Anlaufschmerz
  • Belastungsschmerz
  • Ermüdungsschmerz
  • kurze Morgensteifigkeit (weniger als 30 Minuten)

Anders verhält es sich mit den Schmerzen einer Arthritis. Sie treten typischerweise in Ruhe bzw. in der Nacht auf und können einen aus dem Schlaf wecken.

Ein auffälliger Unterschied zur Arthrose ist die Dauer der Morgensteifigkeit. Sie kann bei einer rheumatoiden Arthritis deutlicher länger anhalten, über eine Stunde.

Generell bessern sich Arthritis-Schmerzen tagsüber bei mässiger Bewegung.

Typisch für eine Arthritis

  • Ruheschmerz
  • Begrüssungsschmerz (Druckschmerz der Fingergrundgelenke beim Händedruck)
  • lange Morgensteifigkeit (über 30 Minuten)

Unterschiede in der Gelenkverteilung

Wie schon angesprochen, entzünden sich bei einer rheumatoiden Arthritis von Anfang an praktisch immer mehrere Gelenke. Ebenfalls typisch ist der symmetrische Befall auf beiden Körperseiten. Zum Beispiel sind also häufig gleichzeitig beide Handgelenke, beide Ellbogen oder sowohl das linke als auch das rechte Knie betroffen.

Eine Arthrose hingegen betrifft meist nur ein Knie, ein Hüftgelenk oder ein Daumensattelgelenk. Die Gelenkverteilung lässt kein Muster erkennen. Auffällig ist nur, dass eine Arthrose häufig die Fingerendgelenke (nächst den Fingernägeln) befällt, die von einer rheumatoiden Arthritis praktisch immer verschont bleiben.

Umgekehrt ist für die rheumatoide Arthritis der Befall der Fingergrundgelenke (Fingerknöchel) typisch. Dabei empfinden die Betroffenen einen Druckschmerz beim Händeschütteln, den sogenannten Begrüssungsschmerz.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Gelenke im Bereich der Hände von welchem Gelenkrheuma am häufigsten befallen werden.

ArthritisArthrose
FingergrundgelenkeFingerendgelenke (Heberden-Arthrose)
FingermittelgelenkeFingermittelgelenke (Bouchard-Arthrose)
HandgelenkDaumensattelgelenk

Unterschiede in Bezug auf das Krankheitsgefühl

Ein letzter Punkt: Menschen mit einer rheumatoiden Arthritis empfinden sehr häufig ein allgemeines Krankheitsgefühl wie bei einer leichten Grippe. Sie fühlen sich müde und abgeschlagen. Oft haben sie auch weniger Appetit.

Derlei Symptome fehlen bei einer Arthrose. Eine Arthrose beschränkt sich in der Regel auf das bei Bewegung und Belastung schmerzende Gelenk.

 

 

 

Redaktion: Patrick Frei, Rheumaliga Schweiz

Fachliche Prüfung: Dr. med. Adrian Forster, Chefarzt Rheumatologie und Rehabilitation an der Schulthess Klinik, Zürich

Veröffentlichung: August 2026