
Ein Exkurs in die Welt der Phobien
Von Enten, Knöpfen und langen Wörtern
Krabbelnde Spinnen, schwindelige Höhen, enge Lifte. Diese Phobien kennt fast jeder. Doch darüber hinaus gibt es eine ganze Welt von Ängsten, die so kurios sind, dass die Klassiker daneben beinahe
etwas … fad erscheinen.
Sie finden Enten mit ihren glänzenden schwarzen Äuglein süss? So empfindet das bei weitem nicht jeder und jede. Wenn man Angst hat, von einer Ente beobachtet zu werden, ist man beispielsweise von Anatidaephobie betroffen. Wer aus dem Tierreich lieber zu den Pflanzen wechselt, den trifft vielleicht die Furcht vor Knoblauch (Vampire lassen grüssen). Doch auch Gegenstände können zum Panikmacher und der Kauf eines Hemdes zur Herausforderung werden, wenn man wiederum an Koumpounophobie leidet und sich vor Knöpfen
fürchtet. Besonders ironisch wird es bei der Hippopotomonstrosesquippedaliophobie (ja, das schreibt man so!). Dieser Begriff mit seinen sage und schreibe 35 Buchstaben bezeichnet (nein, das ist kein Witz) die Angst vor langen Wörtern. Wer davon betroffen ist, dürfte bei dem Versuch, die Bezeichnung korrekt auszusprechen, vermutlich umgehend in Panik geraten. Auch die Friggaphobie hat einen gewissen Charme: die Angst
vor Freitagen. Montage wären ja noch einleuchtend, aber Freitage …?
Diese Beispiele klingen lustig, sind für die Betroffenen im Alltag jedoch alles andere als ein Spass. Etwa für jemanden mit Glucodermaphobie (Angst vor der Haut auf der Milch) kann das Frühstück schnell zum Drama werden.
Warum Weglaufen die Phobie oft nur grösser macht
Von einer Phobie spricht man, wenn eine spezifische Angst unangemessen stark ist, länger als sechs Monate
anhält und den Alltag der betroffenen Person beeinträchtigt. Insgesamt gibt es über 650 Phobien, die psychologisch beschrieben sind.
Die gute Nachricht: Phobien lassen sich meist sehr gut behandeln. Als Methode der Wahl gilt die kognitive Verhaltenstherapie, oft kombiniert mit einer Konfrontationstherapie. Dabei nähert man sich dem Angstauslöser Schritt für Schritt. Erst in der Vorstellung, dann auf Bildern, schliesslich sogar in echt. Mit der Zeit lernt das Gehirn: «Es passiert nichts Schlimmes.» Unterstützend wirken können auch hier bewusste Atemübungen und andere Entspannungstechniken. Auch regelmässige Bewegung, der Austausch in Selbsthilfegruppen und ein
offenes Gespräch mit dem Umfeld helfen, den Druck zu mindern. Wichtig ist: Wer flüchtet, verstärkt die Angst häufig. Wer sich ihr stellt, kann sie überwinden, auch wenn es Mut kostet.
Weitere Informationen
Dieser Text wurde im Mitgliedermagazin forumR 2/2026 der Rheumaliga Schweiz publiziert.
Text: Vivian Decker
