Verschiedene Erkrankungen der Hüfte

Hüftpatientin in Physiotherapie

Hüftschnupfen

Beim sog. Hüftschnupfen (Coxitis fugax) handelt es sich um eine nicht bakterielle Entzündung des Hüftgelenks und eine der häufigsten Gelenkerkrankungen bei Kindern. Betroffene klagen über plötzliche Schmerzen in der Leiste und weigern sich zu gehen. Ein Hüftschnupfen ist schmerzhaft, hinterlässt aber keine Folgeschäden und ist in der Regel nach ein bis zwei Wochen ausgestanden. Den Beschwerden geht in den meisten Fällen eine Viruserkrankung voraus. Der Hüftschnupfen selber wird nicht von Fieber begleitet. Trotzdem empfiehlt sich bei einem Verdacht auf Hüftschnupfen der Gang zum Arzt, damit eine schwerwiegende Erkrankung ausgeschlossen werden kann.

Hüftimpingement

Eishockeyspieler

Passt der Oberschenkelkopf nicht genau zur Hüftgelenkspfanne, können die Knochen aneinanderschlagen und Weichteile eingeklemmt werden. Weiter entstehen Schäden am Gelenkknorpel und an der Gelenklippe (Labrum). Auf Dauer kann eine einklemmende Hüfte – ein Hüftimpingement – zu einer Arthrose des Hüftgelenkes führen.

Gelenke können von Natur aus nicht passgenau geformt sein (Hüftdysplasie) und Probleme verursachen. Von einem Hüftimpingement betroffen sind aber häufig junge, sportliche Menschen, die Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Hockey oder Kampfsport ausüben. Stete Überbelastung lässt knöcherne Auswüchse an der Hüftgelenkspfanne oder am Oberschenkelkopf entstehen. Diese Auswüchse schränken die Beweglichkeit des Gelenks ein.

Ein Hüftimpingement ist im Frühstadium schmerzfrei. Doch im Laufe der Zeit verursachen starke Beugungen mit Rotation Schmerzen in der Leiste. Daraufhin scheint die Hüfte für einen Moment blockiert, zurück bleibt ein Druckgefühl. Schliesslich schmerzen die Hüftgelenke auch beim Bergaufgehen oder langen Sitzen. 

Zeitweilig lassen sich die Schmerzen mit Medikamenten unterdrücken. Physiotherapie hilft beim Einüben des verfügbaren Bewegungsspielraumes und kräftigt die Muskeln. Ob und wie die Einklemmung behoben werden soll, hängt von Befund, Alter, Gesundheit und Erwartungshaltung des Patienten ab. Wird ein Hüftimpingement rechtzeitig behandelt, lässt sich die Entstehung einer (sekundären) Hüftarthrose verhindern.

Labrumläsionen der Hüfte

Die Gelenklippe (Labrum) reisst nicht selten bei Sport mit sich wiederholenden Bewegungen. Ein verletztes Labrum macht sich bei gewissen Bewegungen durch einen stechenden Schmerz im Gelenk bemerkbar. Auch Krankheiten oder Verletzungen am Knochen oder Knorpelgewebe können einen Labrumriss herbeiführen. Die rechtzeitige Behandlung ist wichtig, um einer Hüftarthrose vorzubeugen. Abhängig vom Ausmass der Verletzung, helfen Physiotherapie, physikalische Massnahmen, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente oder auch ein operativer Eingriff. Muss die Gelenklippe genäht oder entfernt werden, erfolgt dies minimal-invasiv.

Hüftdysplasie

new born baby

Bei zwei bis vier von 1000 Neugeborenen ist die Hüftgelenkspfanne nicht genügend ausgebildet. Sie ist zu klein, steht zu steil und bietet dem Oberschenkelkopf nicht ausreichend Halt. Handelt es sich um eine leichte Form von Hüftdysplasie, machen sich die Beschwerden möglicherweise erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Bei schwereren Formen haben bereits Kinder mit Schmerzen im Hüft- oder Kniegelenk oder im Oberschenkel zu kämpfen. In besonders schweren Fällen kann das Hüftgelenk auskugeln (Huftluxation).

Sind keine Schmerzen vorhanden, deutet unter Umständen eine Beinlängendifferenz auf die Erkrankung hin. Hinken Kinder, entwickeln einen Watschelgang oder ein Hohlkreuz, sollten sich Eltern unbedingt an einen Arzt wenden.

Das Hüftscreening gehört zu den obligatorischen Vorsorgeuntersuchungen bei Neugeborenen. Wird die Entwicklungsstörung im Ultraschall frühzeitig erkannt und behandelt – konservativ durch Spreizhosen, Bandagen, Schienen oder Gipsverband –, heilt sie in den meisten Fällen vollständig aus.

Femurkopfnekrose

Von einer Femur- oder Hüftkopfnekrose spricht man, wenn der Oberschenkelkopf teilweise abstirbt und sich verformt. Pro Jahr erkranken 5 von 100'000 Personen an einer Hüftkopfnekrose. Was zum Zelltod des Hüftgelenkskopfes (oder eines Teils davon) führt, ist nicht restlos klar. Als Auslöser vermutet man Durchblutungsstörungen. Eine Rolle scheinen auch Erbfaktoren zu spielen, denn die Femurkopfnekrose tritt gehäuft bei direkten Verwandten auf.

Auf eine Nekrose hindeuten können Knie- oder Hüftschmerzen, ein Hinken oder Einschränkungen der Beweglichkeit des Hüftgelenkes. Betroffene sollten sich einer Therapie unterziehen und in dieser Zeit Belastungen des Gelenks durch Hüpfen oder Stösse strikt vermeiden. Unbehandelt führt die Femurkopfnekrose meist zu einer Hüftarthrose.

Morbus Perthes

Jährlich wird bei 10 bis 15 von 100'000 Kindern Morbus Perthes diagnostiziert. Bei dieser Erkrankung verformt sich der Oberschenkelkopf bereits im Kindesalter – ganz ähnlich wie bei einer Hüftkopfnekrose –, um sich danach wieder aufzubauen, dann allerdings meist in veränderter Form. Die betroffenen Kinder klagen über Knie- oder Hüftschmerzen, hinken und zeigen ein eingeschränkt bewegliches Hüftgelenk. Besonders risikoanfällig scheinen Knaben im Alter zwischen fünf und acht Jahren.

Oberste Priorität hat bei Morbus Perthes die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit. Körperliche Aktivitäten sind nur eingeschränkt möglich. Bisweilen drängt sich bereits im Kindesalter eine Operation auf. Wenn die Erkrankung vor dem 6. Altersjahr ausbricht und frühzeitig behandelt wird, stehen die Chancen sehr gut, eine Arthrose zu verhindern.

Hüftkopfabrutsch (Epiphysiolyse)

Tennies im Klettergarten

Bei Kindern im Alter von 9 Jahren bis zum Abschluss des Wachstums kann es zu einem Abrutschen des Hüftkopfes im Bereich der Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) kommen. Wachstumsfugen bestehen aus Knorpelzellen und sind während der Wachstumsphase labil. Sie befinden sich im Bereich der Knochenenden und ermöglichen, dass sich die Knochen in die Breite und die Länge ausbilden können. Durchschnittlich tritt die Erkrankung zwischen dem 12. und dem 13. Lebensjahr auf. Knaben sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Als Ursache für einen Hüftkopfabrutsch vermutet man Verschiebungen des hormonellen Gleichgewichtes, die in Kombination mit Übergewicht und hohem Körperwuchs den Oberschenkelkopf abrutschen lassen. Ausgelöst werden kann ein solcher Abrutsch durch ein banales Trauma. 

Anzeichen eines Hüftkopfabrutsches sind anhaltende leichtere oder akute Schmerzen in der Leiste, im Oberschenkel oder auch im Knie sowie dass die Betroffenen kaum noch stehen und gehen können. Sie müssen umgehend in eine ärztliche Konsultation. Zur genauen Diagnose ist ein Röntgenbild des Hüftgelenkes in zwei Ebenen, also aus verschiedenen Blickwinkeln, notwendig. Einen Hüftkopfabrutsch muss man in der Regel operativ behandeln, um Folgeschäden abzuwenden. Zwei von 100'000 Kindern sind von einem Hüftkopfabrutsch betroffen.

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