Weichteilrheuma

Weichteilrheuma ist ein Sammelbegriff für vielerlei Probleme und Beschwerden der weichen (nicht-knöchernen) Strukturen des Bewegungsapparates:

  • Muskeln
  • Sehnen, Sehnenansätze, Sehnenscheiden
  • Bänder
  • Schleimbeutel
  • Fettgewebe
  • Faszien (Bindegewebe)
  • Nerven
  • Gefässe

Erkrankungen der Knochen, der Gelenke und der Gelenkknorpel fallen also nicht unter den Begriff Weichteilrheuma.

Generalisiertes Weichteilrheuma

Treten die Schmerzen in den Weichteilen fast des ganzen Körpers auf, spricht man von generalisiertem Weichteilrheuma, vom chronischen Schmerzsyndrom oder vom Fibromyalgie-Syndrom.

Lokalisiertes Weichteilrheuma

Beschränken sich die Schmerzen hingegen auf eine bestimmte Körperstelle, ist von regionalem oder lokalisiertem Weichteilrheuma die Rede. Weichteilrheuma lässt sich mit einem breiten Spektrum von Behandlungsmethoden recht gut in den Griff bekommen.

Eine wichtige Rolle spielen die Aufklärung und die Aktivierung der Betroffenen: Der eine hat neue Bewegungsabläufe zu erlernen, die andere muss sich Trainingsfehler abgewöhnen. Ein dritter wird orthopädische Schuheinlagen brauchen, und eine vierte wird den Computerarbeitsplatz ergonomisch verbessern müssen.

Auch wenn in Einzelfällen eine (anfängliche) Ruhigstellung der betroffenen Weichteile angezeigt ist, gilt generell: Aktiv bleiben und sich bewegen ist einem übertriebenen Schonverhalten und passiven Behandlungen unbedingt vorzuziehen.

Spezifische Therapien bei Weichteilrheuma

  • Manuelle Techniken wie die Triggerpunkt-Therapie (Drücken und Dehnen von Triggerpunkten = schmerzhaften Stellen in der Muskulatur)
  • Lokale Infiltrationen (Injektion flüssiger Arzneistoffe direkt ins betroffene Gewebe)
  • Extrakorporale Stosswellentherapie (mit mechanischen Hochdruckimpulsen im Ultraschallbereich)
  • Eigenblutinjektion (vor allem in der Sportmedizin)

Schulter

Kein Gelenk ist so beweglich, aber auch so instabil wie das Schultergelenk. Die Ursache dafür liegt in der geringen Passgenauigkeit der beiden knöchernen Gelenkteile. Der grosse, kugelförmige Kopf des Oberarmknochens trifft auf die viel kleinere, flache Gelenkpfanne des Schultergelenkes.

Damit der Oberarmkopf und die Gelenkpfanne trotz der Unterschiede in Grösse und Form einwandfrei zusammenspielen, sind vier Muskeln nötig, die den Oberarmkopf zentrieren und das Schultergelenk stabilisieren. Diese Muskelgruppe bildet die sog. Rotatorenmanschette, die im Falle einer «Läsion» (Verletzung, Störung) Schmerzen hervorrufen und die Beweglichkeit der Schulter massiv einschränken kann.


Ursachen

  • Abnützung, Degeneration
  • Einklemmungen (siehe Impingement-Syndrom)
  • Trauma
  • Fehlbelastungen

Beschwerden

  • Schmerzen in der Schulter, ausstrahlend in den Oberarm
  • Pseudolähmung

Behandlung

  • Physiotherapie
  • Funktionelles Training zur Zentrierung des Oberarmknochenkopfes und zum Erlernen von Ausweichbewegungen
  • Kortisoninfiltration
  • Operation (Rekonstruktion der Rotatorenmanschette)

Eine sehr häufige Ursache von Schulterschmerzen ist das Impingement-Syndrom. Der Ausdruck bezeichnet generell den «Zusammenstoss» anatomischer Strukturen (englisch to impinge = zusammenstossen).

Bei Schulterschmerzen ist genauerhin an den anatomischen Engpass beim AC-Gelenk zu denken. Das Akromioclaviculargelenk (AC-Gelenk) ist die gelenkige Verbindung zwischen dem Akromion (der «Schulterhöhe», der höchsten Stelle des Schulterblattes) und dem Schüsselbein (Clavicula). Hier können die engen Platzverhältnisse und andere Ursachen gewisse Weichteile förmlich einklemmen.


Ursachen

  • Anatomische Faktoren
  • Hakenförmiges Akromion
  • Arthrose am AC-Gelenk
  • Grosse Sehnenverkalkung
  • Ungleichmässige Schultergürtelmuskulatur


Beschwerden

  • Schmerzen beim seitlichen Heben des ausgestreckten Armes in einem Winkel von 70 bis 120 Grad («painful arc»)
  • Ruheschmerz im Oberarm im Falle einer Schleimbeutelentzündung
  • Unfähigkeit, auf der betroffenen Schulter zu liegen
  • Pseudolähmungen


Behandlung

  • Physiotherapie
  • Funktionelles Training zur Zentrierung des Oberarmknochenkopfes
  • Passive analgetische Massnahmen
  • Medikamente
  • Infiltration
  • Operation (bei knochenbedingter Verengung)

Die Gelenkkapsel der Schulter kann sich aus ganz unterschiedlichen Ursachen entzünden und fibrosieren (Gewebefasern bilden und verhärten). So entwickelt sich im Laufe von typischerweise vier bis sechs Monaten eine Schultersteife mit charakteristischen Bewegungseinschränkungen. Die «Frozen Shoulder» (adhäsive Kapsulitis) ist ein Spezialfall unter den weichteilrheumatischen Erkrankungen, die einer gründlichen klinischen Diagnose bedarf.


Ursachen

  • Ruhigstellung und Schonhaltung aufgrund anderer Schulterprobleme
  • Trauma
  • Diabetes mellitus
  • Pancoast-Tumor
  • Herzinfarkt
  • Lähmung einer Körperseite (Hemiplegie)
  • Lähmung aller vier Gliedmassen (Tetraplegie)


Beschwerden

  • Passive und aktive Bewegungseinschränkungen


Behandlung

  • Information, Instruktion, physiotherapeutische Mobilisation
  • Medikamente
  • Kapseldehnung in Lokalanästhesie (selten)
  • (Die passive Mobilisation in Narkose wird heute nicht mehr praktiziert.)

Hand und Ellbogen

Roger Federer hat keinen Tennisellbogen: Nicht die Profis, sondern Freizeitsportler laufen Gefahr, sich durch eine falsche Spieltechnik eine Epicondylopathia humeri radialis (Tennisarm, Tennisellbogen) zuzuziehen – oder eine Epicondylopathia humeri ulnaris (Golferellbogen).

Diese Erscheinungsform von Weichteilrheuma kann akut oder chronisch auftreten. Als häufigste Ursache gilt eine Überbeanspruchung der Unterarmmuskeln, besonders durch extrem belastende Bewegungen beim Sport oder infolge Fehlhaltungen bei sich wiederholenden Bewegungen, vor allem am Computer.


Ursachen

  • Falsche Technik bei Schlägersportarten wie Tennis, Badminton, Golf
  • Fehlhaltung bei Computerarbeit (Tastatur, Maus)
  • Überlastung bei Haus- und Gartenarbeit
  • Fibromyalgie


Beschwerden

  • Ellbogenschmerzen bei Belastung, wenn chronisch auch Ruheschmerzen
  • Ausstrahlende Schmerzen


Behandlung

  • Information des Betroffenen
  • Ergonomische Massnahmen
  • Handgelenkschiene
  • Medikamente
  • Manuelle Weichteiltechniken wie «Deep Friction», Triggerpunktbehandlungen, Dehnungsübungen
  • Chirurgische Verfahren (in Ausnahmefällen)


Die Beugesehnen der Finger verlaufen in Sehnengleitkanälen, die auch als Ringbänder bezeichnet werden. Sie fixieren die Sehne im Prinzip, wie die Ösen einer Angel die Angelschnur führen. Verengen sich die «Ösen» (Ringbänder) und verdickt sich die «Angelschnur» (Sehne), etwa indem sich diese Weichteile entzünden, entwickelt sich eine Tendovaginitis stenosans, besser bekannt als «Schnappfinger» oder «Schnellender Finger».


Ursachen

  • Einengung des Ringbandes und Verdickung der Fingerbeugesehnen
  • Extreme Belastungen, z.B. durch Sportklettern
  • Diabetes mellitus
  • Rheumatoide Arthritis


Beschwerden

  • Schmerzen und Schnappgeräusche beim Beugen und Strecken des Fingers

Behandlung

  • Lokale medikamentöse Behandlung
  • Operative Spaltung des Ringbandes


Bei der Tendovaginitis stenosans de Quervain handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung auf der Daumenseite des Handgelenks. Sie kann nach einer langen Velotour auftreten, nach intensiver Gartenarbeit oder bei immer gleichen Bewegungsabläufen am Computer. Auch Golf- und Tennisspieler könne sich eine Tendovaginitis stenosans de Quervain zuziehen. Die Erkrankung ist gut behandelbar, aber die Beschwerden sind lästig und können die Arbeitsfähigkeit massiv einschränken.


Ursachen

  • Überbelastung bei dauernder, repetitiver Tätigkeit
  • Rheumatoide Arthritis (RA)


Beschwerden

  • Schmerzhafte Schwellung an der Daumenseite des Handgelenkes
  • Ausstrahlende Schmerzen (Unterarm)
  • Eingeschränkte Beweglichkeit von Handgelenk und Daumen
  • Schmerzen bei Greifbewegungen


Behandlung

  • Kälteanwendung (wenn akut)
  • Ruhigstellung durch eine Handgelenk-Daumen-Schiene
  • Medikamentöse Behandlung
  • Lokale Infiltration
  • Chirurgische Spaltung der Sehnenscheide (selten)

Becken

Weichteilschmerzen um das Hüftgelenk herum (nicht im Gelenk selber) tragen den Sammelnamen Periarthropathia coxae. Solche Schmerzen können von ganz Unterschiedlichem herrühren, etwa von einer mechanischen Überlastung, einer Verletzung, einer Entzündung oder einer Stoffwechselerkrankung.

Zuweilen kann eine Periarthropathie coxae auf eine beginnende Arthrose des Hüftgelenkes hindeuten. Periarthropathien können Männer und Frauen jeden Alters treffen.


Ursachen

  • Fehl- und Überlastungen
  • Überdehnungen (Sport)
  • Ungünstige Statik (verschieden lange Beine)
  • Probleme im unteren Rücken

Beschwerden

  • Belastungs- und Ruheschmerz im Bereich des Oberschenkelknochens
  • Schmerzen an Oberschenkelmuskeln
  • Patienten können nicht auf der betroffenen Seite liegen.
  • Ausstrahlende Schmerzen

Behandlung

  • Korrigieren der Fehlbelastungen, der Fehlstatik
  • Lokale Wärme- und Kältebehandlung
  • Manuelle Weichteiltechniken, Muskeldehnung, Muskelaufbau, Verbesserung der Körperwahrnehmung
  • Medikamente
  • Lokale Infiltration
  • Ultraschall

Knie, Unterschenkel, Ferse

Das Knie funktioniert als ein Scharnier, als Hebel und als Stossdämpfer. Bei dieser Funktionsfülle verwundert es nicht, dass es leider auch eine Vielfalt weichteilrheumatischer Knieprobleme gibt.

Das Jumper’s Knee (auch «Springerknie» oder «Läuferknie» genannt) ist ein nicht allzu seltenes Knieproblem besonders von Sprungathleten, Sprintern und Bergläufern. Die Fachsprache nennt diese Sportverletzung Patellasehnenentzündung (Patella = Kniescheibe). Jumper’s Knee wird meist verursacht durch blitzschnelle Richtungswechsel und abruptes Bremsen und Stoppen.


Ursachen

  • Überbelastung beim Sport
  • Hypermobilität
  • X-Beine, O-Beine
  • Muskuläre Dysbalancen


Beschwerden

  • Schmerzen unterhalb der Kniescheibe bei oder nach Belastung


Behandlung

  • Dehnung und Kräftigung der Beinmuskeln
  • Korrektur der Beinachsen durch orthopädische Einlagen


Aussen am Oberschenkel verläuft von der Hüfte bis zum Knie ein Muskel namens iliotibiales Band (ITB). Wenn sich das ITB entzündet und verhärtet, kann es im Kniebereich schmerzhafte Friktionen (Reibungen) und Schnappgeräusche hervorrufen. Das Iliotibiale Bandsyndrom zählt zu den häufigsten Sportverletzungen von Läufern.


Ursachen

  • Schwäche der Gesässmuskeln
  • Verkürzung des iliotibialen Bandes
  • Hypermobilität
  • Zu viel Hügeltraining, ausgiebiges Bergablaufen


Beschwerden

  • Schmerzen und Schnappgeräusch am Knie, gelegentlich auch am Hüftknochen («snapping hip»)

Behandlung

  • Massagen, Dehnung
  • Korrektur der muskulären Dysbalancen
  • Korrektur einer Beinachsenfehlstellung durch orthopädische Einlagen oder Massschuhe

Schmerzen in und unmittelbar hinter der Kniescheibe (Patella) sind ein verbreitetes Problem. Der genaue Auslöser ist manchmal kaum herauszufinden. Von Problemen an der Kniescheibe sind meist jüngere, sportlich aktive Menschen und deutlich mehr Frauen als Männer betroffen.


Ursachen

  • Hypermobilität
  • X-Beine, O-Beine
  • Muskuläre Dysbalancen
  • Verkürzte Muskeln und Bänder an der Oberschenkelaussenseite


Beschwerden

  • Knieschmerzen bei Belastung
  • Knack- und Knirschgeräusche im Knie


Behandlung

  • Muskelkräftigung
  • Beinachsentraining
  • Dehnung


Schon mancher Knick in einer Läuferkarriere ging auf das Konto des Schienbeinkantensyndroms (Shin-splint-Syndroms). Die häufigste Ursache für diese Form von Weichteilrheuma ist Überlastung: zu intensives Lauftraining auf zu harten Böden und mangelnde Regeneration der sportlich viel beanspruchten vorderen Unterschenkelmuskeln.


Ursachen

  • Knochenhautentzündung des Schienbeines
  • Übermässiges Training
  • Falsche Schuhe
  • Dysbalance in den Unterschenkelmuskeln


Beschwerden

  • Schmerzen im Bereich des Schienbeines bei Belastung


Behandlung

  • Dehnung und Kräftigung der Unterschenkelmuskeln
  • Besseres Schuhwerk

Unter einem Fersensport (Fasziitis plantaris) versteht man einen dornförmigen Knochenauswuchs am Fersenbein (Calcaneus) als Folge einer Verkalkung der Weichteile (Sehnen, Bänder) an der Fusssohle, der sog. Plantarfaszie. Ausgelöst wird die Spornbildung durch kleine Weichteilrisse, die der Organismus durch Kalkablagerung zu heilen versucht. Über 10% der Bevölkerung haben einen Fersensporn, meist aber ohne Beschwerden.

Ursachen

  • Knickfuss
  • Verkürzte Waden- und Fussmukeln
  • Laufstil
  • Schuhe, die Stösse zu wenig dämpfen


Beschwerden

  • Schmerzen an der Ferse bei Belastung

Behandlung

  • Besseres Schuhwerk, eventuell orthopädische Einlagen
  • Dehnung der Plantarfaszie und der Fuss- und Wadenmuskeln
  • Kortisonspritze


Die Achillessehne ist die grösste und stärkste Sehne im Körper des Menschen. Sie überträgt die Kraft von drei Wadenmuskeln auf den Fuss. Da, wo die Achillessehne am Fersenbein (Calcaneus) ansetzt, können sich Überlastungen und Verschleiss bemerkbar machen. Selten kann die Achillessehne auch einreissen oder durchreissen.

Ihren Namen hat die Sehne von den alten Griechen. Der unsterbliche Sagenheld Achilles war nur an einer einzigen Körperstelle verwundbar – an seiner rechten Ferse – und starb denn auch nach einer Pfeilverletzung an dieser seiner «Achillesferse». Zum Glück aber klaffen Dichtung und Wahrheit hier weit auseinander. Beschwerden an der Achillessehne lassen sich medizinisch gut behandeln. Weichteilrheuma mit Todesfolge gehört ins Reich der Sagen.


Ursachen

  • Abnutzung (Alter)
  • Knickfuss
  • Überbelastung durch Sprungsportarten


Beschwerden

  • Schmerzen und eventuell Verdickung der Achillessehne
  • Achillessehnenriss


Behandlung

  • Angepasste Schuhe (Fersenerhöhung)
  • Dehnung der Wadenmuskeln
  • Exzentrische Kräftigung