Grundwissen über die Hüftarthrose

Skelett, Hüffte

Beim gesunden Hüftgelenk «läuft alles wie geschmiert». Der kugelige Kopf des Oberschenkelknochens (Caput femoris) und die schalenförmige Hüftgelenkspfanne (Acetabulum) reiben nie direkt aufeinander. Eine druckelastische Knorpelschicht und ein dünner Gleitfilm aus Gelenkflüssigkeit (Gelenkschmiere) sorgen für ein geschmeidiges Zusammenspiel von Kopf und Pfanne.

Anders bei einer Hüftarthrose, einer «Coxarthrose» im medizinischen Fachjargon. Diese degenerative Erkrankung betrifft das ganze Gelenk, die beteiligten Knochen, Muskeln und die bindegewebige Umhüllung des Gelenkes. Doch im Anfangsstadium dominiert das Problem des Knorpelabbaus. Der Druck auf die Knochen nimmt in dem Masse zu, wie sich das Knorpelgewebe abbaut.

Um die Mehrbelastung zu kompensieren, vergrössern knöcherne Auswüchse die Gelenkfläche, es bilden sich Osteophyten oder Zysten. Das von einer fortgeschrittenen Arthrose betroffene Hüftgelenk lässt sich nicht mehr reibungslos bewegen. Die Knorpelschicht ist abgeschliffen, und die Knochenwucherungen verkleinern den Bewegungsradius – zusammen mit Hüftschmerzen und Muskelverspannungen deutliche Anzeichen einer Arthrose des Hüftgelenkes.

Die Hüftgelenksarthrose ist die häufigste Erkrankung der Hüfte. Die meisten Betroffenen sind zwischen 50 und 60 Jahre jung, wenn die ersten Beschwerden auftreten. Frauen neigen eher zu einer Hüftarthrose als Männer. Der Gelenkknorpel bei Frauen ist weniger belastbar als der bei Männern und kann in der Menopause von einem beschleunigten Abbau betroffen sein.

Ursachen einer Hüftarthrose

Findet der Rheumatologe keine genaue Ursache heraus, spricht er von einer «primären» oder ganz einfach «altersbedingten» Coxarthrose. Ungefähr 20% aller Hüftgelenksarthrosen fallen in diese Kategorie. Häufig sind beide Hüften betroffen.

Bei 80% hingegen lässt sich die Hüftarthrose auf eine sekundäre (bekannte) Ursache zurückführen wie auf eine unfallbedingte Verletzung des Hüftgelenkes, eine Gelenkfehlstellung (wie z.B. eine Hüftdysplasie oder X- bzw. O-Beine) oder eine entzündliche Erkrankung des Hüftgelenkes wie z.B. eine rheumatoide Arthritis.

Grundsätzlich ist zu bedenken, dass übermässiges Körpergewicht den Druck auf das Hüftgelenk erhöht. Diese Belastung kann den Abbau des Gelenkknorpels beschleunigen. Ähnliches gilt von Über- und Fehlbelastungen der Hüftgelenke durch schwere körperliche Arbeit oder intensiven Sport.

Symptome einer Hüftarthrose

Die Hüftarthrose ist eine chronische Erkrankung. Jahrelang beschwerdefrei, bemerken die Betroffenen erst allmählich die für eine Hüftarthrose charakteristischen Krankheitsanzeichen wie zunehmende Hüftschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr zeigen sich die folgenden Symptome.

  • Gelenkschmerzen, anfangs nur bei Belastung, später auch in Ruhe (im Liegen, Sitzen oder nachts)
  • Anlaufschmerzen nach längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen
  • Schmerzen im ganzen Hüftbereich, insbesondere in der Leiste, im Oberschenkel und in der seitlichen Hüftregion, ausstrahlend ins Gesäss und bis in die Knie
  • Gangstörungen wie seitliches Einknicken oder Hinken
  • Bewegungseinschränkungen des Oberschenkels beim Beugen, Strecken und Spreizen
  • Muskel- und Sehnenverspannungen im unteren Rücken
  • Knirschgeräusche in der Hüfte

Bei einer aktivierten Arthrose entzündet sich die sog. Gelenkinnenhaut (Synovialis). Da das Hüftgelenk derart tief in der Leistengegend eingebettet ist, lassen sich die Entzündungszeichen (Rötung, Überwärmung, Schwellung) kaum erkennen. Umso fühlbarer sind die intensiven Schmerzen einer aktivierten Arthrose.

Behandlung einer Hüftarthrose

Bei einer Hüftarthrose helfen Schuhe mit gut gefederter Sohle und regelmässige gelenkschonende Bewegungen wie Velofahren, Aquafit oder Spaziergänge auf eher weichem Terrain. Physiotherapie ist bei schmerzbedingt verspannten Muskeln oder muskulären Defiziten hilfreich. Daneben bringen Wärme- oder Kälteanwendungen, eventuell Anpassungen am Schuhwerk und Gehstöcke Linderung.

Medikamentös helfen Schmerzmittel, in frühen bis mittleren Stadien Hyaluronsäure-Spritzen oder eine PRP-Therapie. Bei einer aktivierten Arthrose sind Cortisoninjektionen ins betroffene Gelenk sehr effektiv. Bei hohem Leidensdruck und geringer Lebensqualität ist der Einsatz einer Prothese, eines künstlichen Hüftgelenkes, zu erwägen.

Hüftprothese am Skelett

Hüftprothese
Die klassische Hüft-OP entfernt den betroffenen Hüftgelenkkopf samt einem Teil des Oberschenkelhalses und fräst die Hüftgelenkspfanne auf. Dann werden die beiden Komponenten des künstlichen Hüftgelenks (der Prothesenkopf und die Prothesenpfanne) im Knochen verankert. Das kann mit einem speziellen Zement oder zementfrei erfolgen. Die Lebensdauer einer Hüftprothese beträgt bei den gegenwärtig verwendeten Materialien 15 bis 20 Jahre, dann beginnt sich das künstliche Hüftgelenk zu lockern. Die Operation ist mittlerweile ein Routineeingriff. Der langfristige Erfolg steht und fällt allerdings mit der Rehabilitationsfähigkeit des Patienten.

Stichworte