
Viele Frauen merken erst nach einem Knochenbruch, dass ihre Knochengesundheit bereits seit Jahren nachgelassen hat. Der Knochenqualitätsverlust beginnt schon in den Wechseljahren, lange bevor die letzte Periode ausbleibt. In der neuen Podcastfolge von «Rheuma persönlich» erklärt die Gynäkologin Dr. med. Maki Kashiwagi, warum die Wechseljahre eine zentrale Phase für die Knochengesundheit sind, welche Rolle Östrogen spielt und weshalb Osteoporose keine reine Altersfrage ist.
In der Schweiz zeigt sich bei der Osteoporose eine deutliche Versorgungslücke: Rund 80 % der Frauen, die für eine Behandlung infrage kämen, erhalten keine weiterführende Abklärung oder Therapie. Dieses sogenannte Treatment Gap macht sichtbar, dass trotz verfügbarer Diagnose- und Behandlungsoptionen ein grosser Teil der Betroffenen im Gesundheitssystem nicht ausreichend erfasst und versorgt wird.
Genau hier setzt die Episode an und fragt, wie Frauen ab 40 aktiv gegensteuern können.
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Wir Frauen können schon früh etwas für unsere Knochengesundheit tun; und das lohnt sich.
Dr. med. Maki Kashiwagi, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Was in den Wechseljahren mit den Knochen passiert
Viele Frauen denken bei den Wechseljahren zuerst an Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen. Weniger bekannt ist, dass sich auch der Knochenstoffwechsel in dieser Phase verändert. Ab etwa dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse langsam ab. Bei Frauen beschleunigt sich dieser Prozess häufig in den Wechseljahren, bei Männern verläuft er langsamer.
Der Grund liegt vor allem im sinkenden Östrogenspiegel. Östrogen wirkt im Körper wie eine natürliche Bremse gegen den Knochenabbau. Nimmt dieses Hormon ab, beschleunigt sich der Knochenverlust, und das Risiko für Osteoporose steigt. Das Tückische daran ist, dass dieser Prozess zunächst keine Schmerzen verursacht. Viele Frauen bemerken erst etwas, wenn es bereits zu einem Knochenbruch gekommen ist.
Was Frauen selbst tun können
Nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Alter und genetische Veranlagung spielen ebenfalls eine Rolle. Trotzdem kann der Lebensstil einen wichtigen Beitrag leisten. Bewegung ist dabei zentral. Knochen reagieren auf Belastung: Vor allem ausreichend intensive Reize wie Krafttraining, Sprünge oder andere gewichtstragende Übungen, senden dem Knochen das Signal, neue Knochensubstanz aufzubauen. Gleichzeitig helfen Gleichgewichtsübungen dabei, Stürze zu vermeiden; ein wichtiger Faktor, denn Stürze gehören zu den häufigsten Ursachen für osteoporotische Frakturen.
Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Der Körper benötigt genügend Calcium, Vitamin D und Eiweiss, um Knochen gesund zu halten. Calcium steckt nicht nur in Milchprodukten, sondern auch in grünem Gemüse, Hülsenfrüchten, Sesam oder calciumreichem Mineralwasser. Wer unsicher ist, ob die tägliche Calciumzufuhr ausreicht, kann den Calciumrechner der Rheumaliga nutzen.
Auch Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum können sich negativ auf die Knochengesundheit auswirken. Prävention bedeutet deshalb oft, mehrere kleine Gewohnheiten im Alltag bewusst anzupassen.
Die Hormontherapie der Wechseljahre kann für die Osteoporoseprävention in Erwägung gezogen werden.
Dr. med. Maki Kashiwagi, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Warum Osteoporose oft zu spät erkannt wird
Osteoporose verursacht lange keine Beschwerden und wird deshalb häufig unterschätzt. Dr. Kashiwagi berichtet von Frauen, die nach einem «einfachen» Sturz auf flacher Ebene einen Knochenbruch erlitten haben und trotzdem hörten, das sei in ihrem Alter normal. Ihre Botschaft ist klar: Das ist nicht normal und sollte ernst genommen werden.
Gerade Frauen in den Wechseljahren sollten deshalb aktiv nachfragen, ob bei ihnen medizinische Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose vorliegen oder wenn sie Warnzeichen bemerken, etwa Rückenschmerzen, Grössenverlust oder Knochenbrüche nach kleinen Stürzen. Gut informierte Patientinnen können viel dazu beitragen, dass wichtige Abklärungen nicht verpasst werden.
Wann eine Knochendichtemessung sinnvoll ist
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Osteoporose ist die Knochendichtemessung. Sie misst die Knochenmineraldichte und kann Hinweise auf Osteopenie oder Osteoporose geben.
Auch wenn «nur» eine Osteopenie festgestellt wird – also eine Vorstufe – lohnt es sich, dranzubleiben und regelmässige Kontrollen wahrzunehmen. Zusätzlich können Blutuntersuchungen helfen, mögliche Ursachen der verminderten Knochendichte besser einzuordnen.
Können Hormone helfen?
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hormonersatztherapie. Vielen ist nicht bewusst, dass sie nicht nur typische Wechseljahresbeschwerden therapieren kann, sondern auch den Knochenabbau verlangsamt.
Laut Dr. Kashiwagi ist über grosse Studien klar belegt, dass eine menopausale Hormontherapie das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche senkt. Ob dieser Therapieansatz sinnvoll ist, hängt jedoch immer von der individuellen Situation ab und sollte gemeinsam mit einer Fachperson besprochen werden.
Früh handeln lohnt sich
Osteoporose ist kein unvermeidbarer Teil des Älterwerdens. Wer sich früh mit dem Thema beschäftigt, kann viel für die eigene Knochengesundheit tun.
Bewegung, Ernährung, medizinische Abklärung und gute Information können langfristig einen grossen Unterschied machen. Gerade Frauen ab 40 sollten ihre Knochengesundheit aktiv ansprechen und frühzeitig handeln.
Die Rheumaliga Schweiz bietet bereits heute zahlreiche Informationen und Unterstützungsangebote rund um Osteoporose an, darunter Trainingsvideos, Informationsmaterialien, einen Calciumrechner und weitere Angebote zur Prävention. Ab Herbst kommt zudem ein neuer Osteoporose-Risiko-Check dazu.
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