Podcast: Wie Pseudogicht entsteht und für was sie ein Warnzeichen sein kann

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Nicole Egloff Rheumatologin und Carla Keller Moderatorin v l n r

Ein Gelenk schwillt plötzlich an, wird warm und schmerzt; scheinbar ohne ersichtlichen Grund. Hinter solchen Beschwerden kann Pseudogicht stecken, eine häufig unterschätzte rheumatische Erkrankung.

In der aktuellen Episode des Podcasts «Rheuma persönlich» erklärt die Rheumatologin Dr. med. Nicole Egloff vom Zentrum für Rheuma und Knochenerkrankungen der Hirslanden-Klinik im Park Zürich, wie Pseudogicht entsteht, woran man sie erkennt und warum sie manchmal auch ein Hinweis auf andere Gesundheitsprobleme sein kann.

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Pseudogicht kann ein Hinweis auf versteckte Stoffwechselprobleme sein. Darum ist es gut, die Erkrankung früh abzuklären, ohne Panik zu schüren.
Dr. med. Nicole Egloff, Rheumatologin

Winzige Kristalle, grosse Wirkung

Die Ursache der Erkrankung ist überraschend unscheinbar: Es sind winzige Calcium-Kristalle, die sich im Knorpel ablagern und vom Körper nicht abgebaut werden. Mit der Zeit verkalken die Ablagerungen das Knorpelgewebe und lösen Entzündungen aus. Anders als bei der klassischen Gicht sind es bei der Pseudogicht nicht Harnsäurekristalle, sondern Calcium-Kristalle, die die Beschwerden verursachen – daher der Name «Pseudogicht».

In der Medizin unterscheidet man zwischen Chondrokalzinose, also den im Röntgenbild sichtbaren Verkalkungen, und der aktiven Erkrankung CPPD, bei der es zu schmerzhaften Gelenkentzündungen kommt. Besonders schmerzhaft wird es, wenn sich die Kristalle aus dem Knorpel lösen und im Gelenk eine akute Entzündungsreaktion auslösen. «Wenn die Kristalle aus den Knorpeln gelöst werden, schmerzt das. Das kann einmal vorkommen oder chronisch werden», erklärt Egloff.

Warnsignale für Hände und Gelenke

Typische Anzeichen für Pseudogicht sind geschwollene, gerötete und überwärmte Gelenke, die sich nur eingeschränkt bewegen lassen. Die Beschwerden treten häufig in Schüben auf, die nach einigen Tagen oder Wochen wieder abklingen. Bei manchen Menschen entwickelt sich ein chronischer Verlauf mit dauerhaften Beschwerden. Besonders betroffen sind die Handgelenke und die Fingergrundgelenke, während Knie oder Schulter seltener Beschwerden verursachen.

Gerade bei jüngeren Patientinnen und Patienten kann ein Röntgenbild mit typischen Verkalkungen auch auf andere gesundheitliche Probleme hinweisen, wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, Hämochromatose (Stoffwechselstörung, bei der der Körper zu viel Eisen aus der Nahrung aufnimmt und speichert) oder ein Magnesiumdefizit. Eine frühzeitige Abklärung ist deshalb wichtig, um Begleiterkrankungen rechtzeitig zu erkennen und gezielt behandeln zu können.

So wird Pseudogicht diagnostiziert und behandelt

Die Diagnose erfolgt meist über Ultraschall, die Analyse der Gelenkflüssigkeit oder Röntgenaufnahmen, die die charakteristischen Verkalkungen sichtbar machen. Unter dem Mikroskop lassen sich die typischen Kristalle erkennen, die rhomboid geformt sind und sich so klar von den langen, spitzen, nadelförmigen Harnsäurekristallen der Gicht unterscheiden.

Akute Schübe lassen sich durch Kühlen, Schonung und gegebenenfalls durch Handgelenkschienen lindern, während entzündungshemmende Medikamente zur medizinischen Behandlung eingesetzt werden. Magnesium kann zusätzlich unterstützend wirken, da es den Abbau der Kristalle fördern kann.

«Wichtig ist, die Hoffnung nicht zu verlieren. Mit gezielter Therapie und Geduld kann man meistens die Entzündungsaktivität beruhigen und trotzdem ein möglichst normales Leben führen», ermutigt Nicole Egloff.

Mehr Informationen und Übungen für zu Hause

Weitere Informationen finden Interessierte in der Pseudogicht-Broschüre der Rheumaliga Schweiz, die kostenlos bestellt werden kann. Es stehen zudem Trainingsvideos für zu Hause zur Verfügung, die Beweglichkeit und Gelenkfunktion gezielt fördern und Betroffenen helfen, aktiv zu bleiben.

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